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FOREIGN
DISSERTATION
30960
8 2623943
J
VITA SAN CTI HONOR ATI
HERAUSGEGKBEN NACH DREI HANDSCHRIFTEN
INAUGURAL- DISSERTATION
ERLANGUNG DER DOKTORWÜRDE
DER
HOHEN PHILOSOPHISCHEN FAKULTÄT
VEREINIGTEN FRIEDRICHS - UNIVERSITÄT
HALLE - WITTOIDEnC
VOKGKLROT
VON
DRUCK VON EHRHARDT KARRAS
1911
Go gle
Referent: Prof. Dr. Suchier.
Mit Genehmigung der hohen philosophischen Fakultät erscheint
nur ein Teil der eingereichten Arbeit als Dissertation. Vollständig
wird sie veröffentlicht in Heft XXXII der
Beihefte zur Zeitschrift für Romanische Philologie
herausgegeben von Dr. Gustav Gröber.
Verlag von Max Niemeyer in Halle a. S.
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Meinen lieben Eltern
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I. Hauptteil: Vorbemerkungen.
Überlieferung.
Die aus dem Mittelalter in verschiedenen Sprachen überlieferte
Lebensbeschreibung des heil. Honorat und das in den meisten
Darstellungen damit zusammenhängende Martyrium des heil. Porcarius
bildeten in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts den
Gegenstand eingehender Erörterungen einiger Romanisten. Den
Anlafs dazu bot A. L. Sardou mit der Ausgabe des prov. Textes 1
sowie die Auffindung der lat. Vita in verschiedenen Hss. Besonders
tätig zeigte sich hierbei der bekannte Romanist Paul Meyer. Ein
Verzeichnis jener Publikationen einschliefslich Hss. usw. gibt Albanes-
Chevalier „Gallia Christiana Novissima“, Bd. III, No. 48. Die da-
maligen Diskussionen schlofs Meyer — und seitdem ist über diesen
Gegenstand aufser einem kleineren Aufsatz von Meyer in Bull. hist,
et philol. 1907 No. 3 u. 4 nichts weiter veröffentlicht worden — in
Rom. VIII, pg. 486 ff. mit dem Wunsche nach einer Ausgabe des
„texte des legendes latines de saint Honorat et de saint Porcarius“.
Dem soll in dieser Abhandlung entsprochen werden.
Zunächst eine Übersicht über das Material, in dem uns die
Lebensbeschreibungen vorliegen. Ich werde mich dabei z. T. an
Alban&s-Chevalier ( 1 . c.) anschliefsen, ohne im einzelnen zu wieder-
holen, was dort schon gesagt ist, und indem ich bei Aufzählung
der nicht-lat. Darstellungen mich auf die mir vorliegenden beschränke.
Die lat Vita ist in folgenden Hss. erhalten:
1. D 2 = Hs. des Trinity College zu Dublin. Anfang des
14. Jahrhunderts. Es fehlen eine Anzahl Wundererzählungen, und
zwar Kap. 40 a, 41 a — i, 43 a — b, 46 a. Einige Stellen sind bereits
durch Meyer ( 1 . c.) abgedruckt, leider mit einer ganzen Anzahl von
Fehlern. Der Text umfafst die letzten 27 Blätter (pg. 345 — 398)
der Hs., die ich der Einfachheit halber als pg. 1 — 54 zählen will.
1 „La Vida de Sant Honorat, par Raymond Feraud“, Nice 1875.
3 Mit grofsen Buchstaben bezeichne ich das den lat. Haupttext dar-
bietende Material; Umarbeitungen und nicht-lat. Texte bezeichne ich mit
kleinen Buchstaben.
I
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2
Jede Seite enthält 39 Zeilen. Alle den Text betreffenden Zitate
werden nach dieser Hs. und dieser Zählung erfolgen.
2. R = Hs. des Fonds Albanes, z. Z. in Privatbesitz in
Romans. Nach Albanes-Chevalier ( 1 . c.) 1 4. — 1 5. Jahrhundert, während
übereinstimmend die Professoren Heldmann und Goldschmidt von
hiesiger Universität die Hs. im 1. Viertel des 14. Jahrhunderts, ev.
schon um 1300 ansetzen. Die vollständigste aller erhaltenen Hss.
Kap. 46 a des Textes ist nach R wiedergegeben bei Albanes-Chevalier,
Bd. III, No. 95.
3. P = Hs. der Biblioth. Nation, zu Paris. 14. Jahrhundert.
Die Hs. befand sich früher im Besitz eines Karthäuser Klosters,
wie die Überschrift zeigt: Domus beati Andree de litore ordinis
cartusiensis, signatus L h. 1 Sie ist unvollständig, denn sie erzählt
nur den ersten Teil der Legende bis zum Tode Honorats (pg. 37 , 6 )-
Aufserdem fehlen zwischen fol. 26 und 27 der Hs. noch 2 Blätter,
die den Text enthielten von pg. 34,13 preposuit bis pg. 36,30 quorum.
Pg* 18,34 Honoratus bis 19,! caritatem und 20, 13 Suscipientes bis
2i, t6 prouidisset sind abgedruckt durch P. Meyer in Bull, hist et
philol. (1. c.).2
4. O = Hs. der Bodleian Library zu Oxford. Geschrieben
1449. Unvollständig, denn es fehlt das Martyrium des Porcarius.
Die Hs. ist nicht sonderlich gut, wie die von Stengel in Zeitschr.
f. rom. Phil. Bd. III, pg. 61 1 aufgezählten Entstellungen zeigen. Da-
selbst auch kleinere Teile abgedruckt. Aufserdem ist pg. 35,5
Uenerabilis bis 35,20 dicens wiedergegeben durch Meyer in Bull. (l.c.).
5. macht Meyer in Rom. VIII, pg. 633 auf eine weitere Hs.
aufmerksam, die sich in der Bibliothek der Maria von Aragonien
befand, seitdem aber verschollen ist Nach den wenigen abgedruckten
Worten mufs die Hs. sehr verderbt gewesen sein.
Die unter 1 — 3 aufgezählten Hss. haben mir durch das Ent-
gegenkommen der Besitzer in Photographieen oder im Original zur
Verfügung gestanden. Aus Oxford dagegen erhielt Verfasser auf
sein Gesuch um leihweise Überlassung der Hs. O den Bescheid,
„that the Bodleian never lends a Ms. for the use of a university-
student“. Von O haben daher nur die wenigen durch Stengel und
Meyer wiedergegeben Stellen berücksichtigt werden können.
1 Ich vermute, dafs dieses Kloster das in Gallia Christians Bd.I, Spalte 871
erwähnte „nobile ss. Andreae, Martini et Caesariae monasterium, in Monte-Andaone,
vulgo S. Andr6 de Villeneuve lez Avignon“ ist. Nach Gallia Christians (1. c.)
war dies ein Benediktiner -Kloster; Le Vasseur erwähnt es aber in Ephe-
merides Ordinis Cartusiensis Bd. V im Index unter den Cartusiae. Gallia
Christians kennt Bd. I, Spalte 600 noch eine „abbatia sancti Andreae“ „in
insula Camariae sive de Camaricis“; Le Vasseur (1. c.) erwähnt diese nicht.
* Wenigstens behauptet Meyer, die Hs. P wiederzugeben. In Wirklich-
keit aber finden sich in dem Abgedruckten eine Anzahl Stellen, die nicht aus
P sein können, so 20„ 6 totaliter (fehlt in P); 20 m moventem (P nomen tenes);
20 , „ uberanter (P uehementer); 20, 86 Existentibus . . . populis (P Existentes . . .
populi) u. a.
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I
3
Weiter ist von lat. Fassungen ein Druck (v) zu nennen von 1501,
neu aufgelegt 15 11. Dieser stellt eine kürzere Bearbeitung der voll-
ständigen hsL Vita dar. Das auf der Kgl. Hof- und Staatsbibliothek
zu München befindliche Exemplar wurde von mir benutzt. Teile
aus v sind mehrfach abgedruckt (cf. Albanes-Chevalier, Bd. ID, No. 48).
Einige kürzere Abschnitte, die mit der lat. Vita in enger Be-
ziehung stehen, finden sich sodann in den Acta Sanctorum; nämlich
1. zum 16. Januar „Lectiones de S. Honorato. Ex vetere
Breviario Eccl. Massilien.“ (L), ein wörtlich mit den Hss. überein-
stimmendes Bruchtsück, enthaltend pg. i 8, 34 Honoratus igitur bis
19,! 5 ad gloriam sempitemam (L schreibt a. g. supernorum). Diese
Stelle fehlt in v, sodafs ein Einflufs von v ausgeschlossen ist.
2. zum 12. August eine nur teilweise wörtlich mit der Porcarius-
Legende der Hss. übereinstimmende Erzählung „Martyrium (sc. sancti
Porcarii). Auctore anonymo, ex editis apud Surium ad diem XII.
Augusti“ (a). Surius seinerseits — Bd. VIII aus dem Jahre 1618;
ich habe den Band leider nicht einsehen können — hat die Er-
zählung wohl erst aus Vincentius Barralis „Chronol. Lerin.“, Lyon
1613, Bd. I, pg. 220, und dieser druckt sie ab „ex fidelissimis per-
antiquis manuscriptis ccenobij Lerinensis “. 1
Ferner finden sich in der eben erwähnten Chronol. Lerin. hier
und da zerstreut noch einige kurze, vollkommen aus dem Zusammen-
hang herausgerissene Stellen der lat. Vita; so
Bd.I, pg.34 (= pg. 2, 19 der Vita): „In manuscriptis Lerinensibus
perantiquis reperitur quod (sc. sanctus Caprasius) degebat cum sociis
vitam heremiticam in Miroduna Insula maris Croeti“; oder
Bd. II, pg. 80, wo mit geringen Änderungen nach einem manu-
scriptum pg. 45, 30 _ 37 der Vita wiedergegeben werden (B); oder
Bd. I, pg. 27 — 28 zwei „Hymni in honorem sancti Honorati, ex
manuscripto breuiarij sancti Monasterij sacrae Insulae Lerinensis“, die
zweifellos mit der Vita Zusammenhängen; sowie
Bd. I, pg. 187 ff. ein Leben des heil. Venantius „ex manuscriptis
Lerinensibus“, das aus der Vita und der Leichenrede des Hilarius
auf Honorat zusammengestückelt ist.
In allen diesen Fällen ist aus hier nicht näher zu erörternden
Gründen der Einflufs des Druckes v ausgeschlossen.
Eine weitere Stelle zeigt sogar, dafs sie zu der uns erhaltenen
Hs. P zu stellen ist. 2 Es ist Bd. I, pg. 191 ff. „Vita sancti Caprasii . .
excepta ex annoso codice eiusdem (sc. Lerinensis) Cenobij“.
1 Vgl. Rom. Vin, pg. 507.
* Es beweisen das Stellen wie
Philosopbise artibus — pg. 2, 18 P pbilosophie artibus — DR pb. auctubus
annosus plurimum — pg. 14,3g PR longeua annositate — Dl. animositate
apparuit ei sanctus M. A. — pg. 1 5 >8 P apparuit s. M. a. — DR apparuit eis a. M.
I*
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4
Vielleicht liefsen sich so noch mehr kleinere, aus der Vita ge-
nommene Stücke finden. Doch das genüge. Denn sie alle dürften
für die Herausgabe der Vita kaum in Betracht kommen.
Ebenfalls belanglos ist endlich das durch Meyer in Bull. ( 1 . c.)
veröffentlichte Bruchstück eines Offiziums des heil. Honorat. Es
enthält in der Lectio septima wörtlich Teile aus pg. i 8, 37 blandie-
batur bis 2i, 16 prouidisset und in der Lectio octaua aus pg. 35,5
Uenerabilis bis 35, 19 Ylarius.
Soweit die lat. Fassungen. Daneben existieren eine Reihe
nichtlat. Darstellungen. Die wichtigsten davon sind:
1. f, die schon oben erwähnte Vida de Sant Honorat, hg. von
A. L. Sardou. Enthält den Text in der Vollständigkeit der lat. Hs. R.
2. k, eine katalanische Prosadarstellung, die sich findet in einer
Hs. der National-Bibliothek in Paris. 1495 auch gedruckt. 1 Der
Anfang (bis pg. 3,23 der Vita) ist wiedergegeben bei Bruce -Whyte
„Histoire des langues Romanes“, Bd. II, 406 ff., einige weitere Stellen
durch Meyer in Rom. VIII, 486 ff.
Das ist das vorliegende Material.
Stammbaum der Hss.
Dieses Material gilt es zu sichten. Wir beginnen mit den lat.
Hss. und suchen ihren Stammbaum aufzustellen und damit ihr Ab-
hängigkeitsverhältnis untereinander klar zu legen. O müssen wir leider
zunächst ganz aufser Betracht lassen wegen Mangels an einer ge-
nügenden textlichen Unterlage.
1. Keine der 3 Hss. DPR ist Original, sondern alle 3 hängen
von einer weiteren (a) ab, die selber nicht Original ist. Das be-
weist eine grofse Anzahl gemeinsamer Fehler von DPR, von denen
allerdings der eine oder andere dem Original selbst schon angehört
haben mag. Über diese Fehler siehe den späteren Abschnitt „Text-
besserungen“!
2. DPR scheiden sich deutlich in die Gruppen D und PR.
Das zeigen die Orthographie von Eigennamen, Wortstellungen, Aus-
lassungen, Zusätze. Beide Gruppen sind voneinander unabhängig.
Denn
a) D übernimmt keine Fehler von PR:
4,20 D leuatas ad sidera spansas manus, PR fälschlich leuatas
ad sidera plantas manus —
8,34 D et alias paucas ex quibus, PR lassen alias paucas ex aus —
1 Vgl. Conrado Haebler „Bibliografia Ib6rica del Siglo XV.“, La Haya
und Leipzig 1904, pg. 329 — 330.
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5
1 7*22 D pugnis et circumraptis stipulis unusquisque se percutie-
bat, PR lassen stipulis aus —
23.14 D mordacissimum detractorem, PR fälschlich mortissi-
mum d. —
30.3 D uinxit richtig, P anxit, R auxit —
31.32 D incepit . .. exigua operari, blande adulari et mordaciter
detrahere, PR fälschlich detrahi —
32,34 D ipsum commendans beato Honorato, PR statt dessen
nur episcopo Honorato (i. c. fehlt) —
b) PR übernehmen keine Fehler von D:
14.33 D longeua animositate contractus, PR richtig 1. annositate
contractus —
18.3 D Cassiriense, PR Casinensem —
18.20 D cum tremore per sanctam ambulabat, PR c. t. p. s.
insulam ambulabat —
27. 8 D Qui cum nichil inuenisset pafst nicht in den Zusammen-
hang, wohl aber PR Que cum inficeret (= infiteretur) postulata —
28.9 D pruinas „Reif“ statt richtig mit PR prunas „glühende
Kohlen“ —
32. 15 D ei communicas assuete statt richtig PR eis communicas
insuete —
Gegen die Abhängigkeit des R von D spricht vielleicht auch
schon der Umstand, dafs R eine Anzahl Wunder mehr erzählt als D.
3. P und R stehen zwar, wie wir eben gesehen, einander sehr
nahe, sind aber doch unabhängig voneinander. Denn
a) P übernimmt keine Fehler von R:
7.8 P legis et generis, R legeneris —
14.20 P requirentes Consilium ex quesito, R statt dessen Con-
silium ex quesitio —
1 8, l5 fehlt R et solliciti studij feruentis religionis nove plan-
tationis, ist vorhanden in P —
18,25 P b ea ü Pet«» R beatri —
24.49 P hgantes restibus sua colla, R 1. r. suas comas —
25.8 R si errorem et cum quo dicta Tiburgia deliquisset, P
läfst (wie D) errorem aus —
b) R übernimmt keine Fehler von P:
13. 16 R curuato corpore, P cui nato corpore —
14,42 R timide, P fälschlich timulte —
21.49 R Honoratus eorum . . . precibus non mutatur, sed . . .,
P läfst non mutatur aus —
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6
3i, 2 o R repudiate uxoris, P unverständlich romuradiate u. —
Aufserdem finden sich in P eine Anzahl Auslassungen, wo R
vollständig mit D schreibt. So fehlt P 2, 17 uel etati. Cum uero
languor ingrauesceret et tabesceret ecclesia uniuersa oder I3, 19
quadam die dictus episcopus post pluuiarum impetus extra u. a.
Gegen die Abhängigkeit des R von P spricht vielleicht schon
der Umstand, dafs R viel umfangreicher als P ist
4. Aus dem Vorhergehenden ergibt sich, dafs R und P von
einem gemeinsamen, nicht erhaltenen Mittelgliede (ß) abhängen.
Wie ersichtlich, habe ich die bisher zitierten Eelege nur aus
pg. 1 — 37, d. h. dem DPR gemeinsamen Stück des Textes, ge-
nommen. Demnach läfst sich für dieses Stück mit vollem Recht
folgender Stammbaum aufstellen, wenn die betr. Teilabschnitte aus
D und R mit D t und R t bezeichnet werden:
Original
I
a
P R,
Fraglich ist dagegen, ob für die noch bleibenden Abschnitte D 2
und R 2 nicht vielleicht ein anderes Abstammungsverhältnis gilt. Es
wäre möglich, dafs D 2 oder R 2 aus einer andern Vorlage geschöpft
hätte als D t oder Rj. Sehen wir uns daraufhin den Text näher
an, so ergibt sich folgendes: 1
1. Auch D 2 und R 2 zeigen gemeinsame Fehler (vgl. den Ab-
schnitt „Textbesserungen“).
2. Auch D 2 ist unabhängig von R 2 und übernimmt dessen
Fehler nicht:
40,} D 2 gratis suscipiens ei nomen imposuit Deodatus, cuius
mater in puerperio, fehlt R 2 —
45,22 D 2 supra altare prospiciens, R 2 fälschlich s. a. procidens —
45,29 munera preciosa, R 2 dagegen uniuersa preciosa —
52,24 D 2 demonum, R 2 demon non —
1 Streng genommen können bei dieser Untersuchung die in R 2 über-
zähligen Wunder nicht mit eingeschlossen sein. Trotzdem sehe ich in R 2 den
gesamten noch fehlenden Text einschliefslich dieser Wunder, da nach meiner
Meinung bereits das Original den Stoff enthielt, wie ihn Ra bietet. Ich werde
das an einer späteren Stelle zu zeigen suchen.
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3. Auch R 2 ist unabhängig von D 2 und macht dessen Fehler
nicht mit:
39,39 fehlt D a das Objekt zu impetrare, R 2 hat prolem —
40,35 fehlt D 2 das Substantiv zu quemquam, R 2 hat cibum —
46, 22 nennt D 2 einen Ortsnamen Vnici Milij, während es mit
R 2 heifsen mufs Vintimilii —
51,7 D 2 duces Uezianum, R 2 richtig duces Uezianum et
Arnaudum —
Anfserdem bietet R 2 einen umfangreicheren Text als D 2 , so-
dafs wohl schon aus diesem Grunde eine Abhängigkeit des R 2 von
D 2 abzuweisen ist.
Ist mit diesen Feststellungen auch für das Verhältnis von D 2
zu R 2 kein bestimmtes Resultat gewonnen, so sehen wir doch D 2
und R 2 dem für und R 1 aufgestellten Stammbaum nicht nur
nicht widersprechen, sondern sich ganz gut hineinfügen. Es erübrigt
sich daher die Aufstellung zweier Stammbäume, und die Hss. reihen
sich folgendermafsen aneinander:
Original
I
I
R
Fragen wir nun, wo in diesem so weit fertigen Sta:
einzureihen ist, so finden wir folgendes:
II II
bäum
1. Sehr häufig erscheint die Konstellation D — PRO. Es läfst
sich das sowohl an einer grofsen Anzahl von Belegstellen als auch
daran erkennen, dafs PRO an genau denselben Stellen Abschnitte
bilden. Beispiele:
i, 28 D filium, PRO puerum —
%
10. 24 D Bauarre, PRO Bauarie —
* 1 5*22 D eüm, PRO fehlt —
16. 24 D palmarum, PRO palme —
i 6, 27 D operatus fuerat, PRO f. o. —
18,3 D beati, PRO sancti —
Infolge dieser Übereinstimmungen werden wir geneigt sein, O
auf dem 0 -Zweige einzutragen.
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2. Es tritt auf die Stellung* DP — OR:
15*23 DP Attrapenses, OR Atrepenses —
17.4 DP cedulam, OR fälschlich cellulam —
17.5 DP officio completo, OR c. o. —
In einem Widerspruch dazu steht allerdings
14,2g D in lectum, O i leuum (?), PR fehlt etwas Entsprechendes.
Doch scheint diese Stelle in O ziemlich verderbt zu sein *, so-
dafs auf sie kein Gewicht gelegt werden kann. Demnach wäre O
unter ß sehr nahe an R zu stellen.
3. Dabei fragt es sich, ob wir für O und R eine gemeinsame
Vorlage annehmen sollen, oder ob das eine vom andern abhängig
ist Diese Frage ist leicht zu beantworten. Wie wir später sehen
werden, hat R als direkte Vorlage ß benutzt. Damit ist eine zwischen
ß und R stehende Hs. vollkommen ausgeschlossen, O mufs abhängig
von R sein. Wir deuten dieses Verhältnis im Stammbaum folgender-
mafsen an:
Original
Einreihen von v in den Stammbaum.
Aus praktischem Interesse ist es nun nötig, auch v in den
Stammbaum einzureihen. Denn obwohl v eine nur teilweise wört-
lich mit den Hss. übereinstimmende Bearbeitung darstellt, so kann
es doch, auch gerade wegen seiner Vollständigkeit, für die Text-
kritik wichtig werden. Dessen müssen wir allerdings uns von vorn-
herein bewufst sein, dafs eine grofse Anzahl Fehler, auf die wir
uns ja hauptsächlich stützen, in der Vorlage von v bereits ge-
bessert sind.
1. v übernimmt Fehler von D nicht, sondern schreibt in
solchen Fällen wie PR:
18,20 D multa maiora . . . merita, PRv richtig multo ... —
1 Schon Stengel hat in Zeitschr. f. rom. Phil. Bd. III (1. c.) hinter i leuum
das Fragezeichen gesetzt.
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9
27, 8 D Qui cum nichil inuenisset pafst nicht, PR Que cum
inficeret (= infiteretur) postulata und v lila vero respondente
adulterum omnino se nescire —
32,39 fehlt D cum sacrista fälschlich; ist vorhanden in PRv —
33,24 D Asseris fälschlich, PR Assentis, v Assentisne —
33.35 D sub custodia monachorum, PRv s. c. medicorum —
41,3- D edificauit, Rv richtig rehedificauit —
41,3g D Honorati, Rv Cassiani —
45. 7 übernimmt D eine Randglosse in den Text: zauram uel
nauigium, Rv zauram —
50,4 übernimmt D wieder eine Randglosse: mundum uel
seculum, Rv seculum —
Gegenüber den zahlreichen Fällen dieser Art glaube ich einen
Fall vernachlässigen zu können, wo Dv gemeinsam einen Fehler
machen :
37, 31 Dv (iniunxit beatus Nazarius agonizanti, ut palam sibi
diceret,) si tune mori debebat (v: si tune moriturus esset) et cur
tarn diu . . . laboraret. Sinn und Konstruktion verlangen einen
Bedingungsatz, und so läfst R richtig et vor cur weg.
Demnach ist v unabhängig von D.
2. v macht eine grofse Anzahl Fehler von PR nicht mit,
sondern schreibt in solchen Fällen wie D:
2,27 D Cumque . . . se diuerteret, v diuertisset, RP fälschlich
dirrueret —
7.25 Dv patefecerat, PR patescerat —
18,33 Dv anni temporibus, PR fehlt anni —
2 5, 24 D instabant, v instant, PR stabant —
26, ]g D diuisit se aqua, v diuise sunt 4que, PR fehlt aqua —
30. 8 Dv uinxit, P anxit, R auxit —
30.25 Dv in medio chori, PR fehlt chori —
32.35 D ipsum commendans beato Honorato, v Lc. episcopo
H., PR dagegen schreiben nur episcopo H. —
Demnach ist v unabhängig von P und R und ihrer Vorlage ß.
3. Andrerseits hat v mit PR resp. R manche Fehler gemein-
sam, während D richtig schreibt, d. h. richtig aus a übernommen hat:
23,21 PRv Honoratum delirum statt richtig mit D Honoratum
de Lyrino. Dafs letzteres richtig ist, zeigt die Gegenüberstellung
uel Honoratum de Lyrino uel principem Uianensem —
29,24 verlangt der Sinn mit D: Qui dixit, quod propter in-
stanciam ... PR statt dessen : Qui dixit sibi importunam in-
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IO
stanciam. Daher auch v fälschlich: Cui . . . enarrauit importunam
instantiam —
30,22 PR Cumque . . . psallentes cerneret ut deliros, ähnlich
v quasi delyros. D hat nichts dem ut deliros Entsprechendes, und
zwar, wie ich meine, mit Recht Denn die Worte hätten doch
nur eine Berechtigung, wenn der heil. Geist schon über die
Mönche gekommen wäre. Sie bitten aber in den folgenden Worten
erst darum. —
31,17 schreibt D richtig Video, quod penitet te . . . PRv da-
gegen schreiben mit einer fälschlichen Änderung der Konstruktion
Video, quia ... —
48, lt D: Dum uero diu hee due . . . femine suas miserias
complorassent . . . R und v lassen diu weg, sodafs der Satz einen
andern, offenbar falschen Sinn bekommt —
5O, 20 D in uertice „auf dem Scheitel“, Rv fälschlich in ceruice
„im Nacken“ —
Ergebnis: Da nach 2. v unabhängig von ß ist, da es aber
nach 3. doch eine Anzahl Fehler mit PR resp. R gemein hat, so
müssen v und ß aus einer gemeinsamen Vorlage geschöpft haben. 1
Nach 3. ist diese Vorlage y im Stammbaum unter a einzureihen,
sodafs sich folgendes Bild ergibt:
Original
I
a
I
O
Diesem Ergebnis scheinen einige Stellen zu widersprechen, wo
Pv Zusammengehen gegenüber DR:
4,! haben DR richtig ceruo precedente, Pv zeigen fälschlich
Formen von procedere —
13,37 RD eiusdem ciuitatis uicinum, Pv eidem ciuitati uicinum
(bei P erst nachträglich gebessert aus ciuitatis) —
1 Die dritte Möglichkeit: ß abhängig von v ist dadurch ausgeschlossen,
dafs v nur einen verstümmelten Text enthält und aufserdem wesentlich jünger
ist als PRO.
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II
20,30 DR turbas, Pv turbas hereticorum (in P hereticorum am
Rand) —
28.34 DR cuiusdam nobilis deuoti, Pv nobilis et (v Deo)
deuoti —
32.2 fügen Pv enim ein im Gegensatz zu DR: Proposuerat
enim —
Ebenso noch einige weitere Stellen. Ich halte diese alle für
Zufall, da besonders v, aber auch P ihrer Vorlage sehr frei gegen-
über standen und änderten, wo es ihnen gut schien.
Sehr gut zeigt sich die Mittelstellung von v zwischen D und
PR durch sein Hin- und Herpendeln zwischen beiden Gruppen.
Man vgl.:
7,25 D dissimulans caute, que patefecerat
v caute dissimulans, que patefecerat
PR caute dissimulans, que patescerat
26,27 D ascendens corulum, cum . . . suspendium preparasset
v ascendens nucem . . . suspendium preparauerat
PR ascendens nucem, cum . . . suspendio prepararet
32.34 D ipsum commendans beato Honorato
v ipsum commendans episcopo Honorato
PR episcopo Honorato
36, lg D obumbrante eum flamma lucidissima
v obumbrante eum lucidissima flamma
R obumbrans eum lucidissima flamma
44.3 D sanctus Honoratus
v beatus Honoratus
R beatissimus Honoratus.
Einreihen von f in den Stammbaum.
Neben den lat Texten steht als wichtigster anderssprachlicher
Text das prov. Gedicht des Feraut 1 (f). Da dieses unter Um-
ständen für die Textkritik wichtige Beiträge liefern könnte, müssen
wir uns zunächst die Frage vorlegen, wie f sich zur lat. Vita stellt.
Durch die oben erwähnten Arbeiten Paul Meyers wissen wir, dafs
die Vita das Original, f eine Bearbeitung davon ist. Auf diesen
Standpunkt stelle ich mich denn auch von vornherein. Ich glaube
das um so eher zu können, als ich eine Reihe weiterer Belege
hierfür gefunden habe, die im Laufe dieses Kapitels noch zur
Sprache kommen sollen. Somit ergibt sich die Aufgabe, f in den
1 So wird der Name des Dichter* in der von A. L. Sardou abgedrnckten
Hs. geschrieben; Sardou selbst schreibt Feraud.
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12
aufgestellten Stammbaum einzureihen, d. h. zu sehen, ob und mit
welchen Hss. es eventuell Fehler gemeinsam hat
Ehe ich dieser eigentlichen Aufgabe näher trete, möchte ich
zunächst eine Anzahl Belege anführen, die ganz allgemein die
Abhängigkeit des f von der Vita zeigen. Es sind das lauter
Ungenauigkeiten, die sich f der Vita gegenüber zu Schulden
kommen läfst.
14, 14 ff. = Kap. XXVI in f.* Der Bischof von Viennes ist ge-
storben. Die Bürger können sich über die Person seines Nach-
folgers nicht einigen (cum . . . diuersi diuersos prefici postulassent)
und wenden sich deshalb an den Sakristan als Schiedsrichter.
Auch in f wird der Sakristan zum Schiedsrichter ernannt, wir er-
fahren aber nicht warum.
ig, 39 = Kap. XXXVIII in f. Honorat rät den Brüdern,
zwischen den (beiden) höchsten Palmenbäumen der Insel nach
Wasser zu graben (inter . . . arbores alciores). In f dagegen graben
sie „antre los dos palmiers Que eran denfra 1 * islla“, gerade als
ob auf der Insel nur zwei Palmen gestanden hätten.
37, | 5 ff = Kap. LXXXIII in f. Die Gattin des Fürsten von
Salerno stirbt auf der Reise nach Lerins. Der Fürst läfst sie
unterwegs auf einer Insel in einen Sarg legen, um sie auf der
Rückkehr mit in die Heimat zu nehmen. In f dagegen läfst er
sie begraben (la donna c’ an soterrada En mar en 1 * isla de Gor-
gona), überlegt sich ’s erst später anders und befiehlt, sie nach
Salerno zu bringen.
38,24 = Kap. LXXXVI in f. Der Bajulus von Bellanda klagt
seine Herrin bei ihrem Gemahl des Ehebruchs an und läfst ihre
Schuld durch falsche Zeugen beweisen (quodque per falsos festes
nequiter comprobauit). In f ist an dieser Stelle von falschen
Zeugen nicht die Rede. Dafs die Vita richtig liest, zeigt die so-
wohl im Latein als auch in f am Ende des Kapitels erfolgende
Bestrafung falscher Zeugen.
39, 37 ff = Kap. LXXXIX in f. Der Markgraf Anselm bittet
Honorat um einen Sohn. Die Bitte wird ihm gewährt. Dafs sie
gewährt wird, fehlt in f. Es ist das ja nach dem Folgenden selbst-
verständlich, trotzdem mutet die Darstellung bei f etwas wunder-
bar an:
A l’islla de sant Honorat
Annava romieus al perdon ; . . .
Menava sa moyller am si,
Qu’en breu de temps agron enfant;
Car ren non desiravan tant.
Mas li donna non poc sufrir
Los greus mals, perque vay raourir
En la payllola de l’enfant
1 Ich denke, dafs es genügen wird, hier und im folgenden von f nur die
jedesmalige Kapitelnummer anzugeben.
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13
Kap. 41 f <= Kap. CIV in f. Ein blinder Geizhals verbietet
seinem Schweinehirten, nach Lerins zu wallfahren. Trotzdem be-
reitet sich dieser in der Stille zu der Fahrt vor (clam se prepa-
rabat). Die Folge ist, dafs ihn sein Herr einsperren läfst. ln f
dagegen wird der Hirt schon eingesperrt, blofs weil er die Bitte
ausgesprochen, dorthin wallfahren zu dürfen.
Kap. 4 1 e = Kap. CV in f. Nach Lerins Pilgernde werden
unterwegs ihres Gepäckes beraubt. Die Wegelagerer erblinden
jedoch plötzlich. In den Abgründen umherirrend werfen sie ihr
eigenes Gut weg, das geraubte aber schleppen sie weiter mit. Die
Pilger hören ihr Wehklagen, kehren um und kommen wieder zu
ihrem Eigentum, f dagegen erzählt wohl von den Räubern, dafs
sie, einen ganzen Tag umherirrend, Arme und Beine brechen,
nicht aber, dafs sie ihren Raub weiter mitschleppen. Wir sind
deshalb etwas überrascht zu lesen, dafs die umkehrenden „romieu
an cobrat trastot lur guarniment“.
49, 29 ff. = Kap. CXVII in f. Ein Klosterbruder hat folgendes
Gesicht: Er sieht zwei Männer den Speisesaal betreten. Der eine
ist ein Mönch und trägt in den Händen ein volles Gefäfs. Der
andere ist mit einem Pallium bekleidet und schöpft mit einem
silbernen Löffel aus jener Schüssel. In f dagegen trägt der Mönch
Gefäfs und Löffel, trotzdem schöpft der andere.
5 1,20 ff* = Appendix Kap. III in f. 10 Tage vor Ankunft der
Sarazenen sagt ein Engel die Heimsuchung der Insel Lerins voraus.
3 Tage später werden die Schätze in Sicherheit gebracht, und
nach weiteren 7 Tagen überschwemmen die wilden Horden die
Insel. Auch nach f erfolgt die Weissagung 10 Tage zuvor. Dann
werden die Kostbarkeiten weggeschafft (ohne Zeitangabe, sodafs
anzunehmen ist, an demselben Tage), und 7 Tage darauf er-
scheinen die Sarazenen. Offenbar hat hier f die eine Zeitangabe
vergessen.
Nun zum Schlufs noch die bereits von Hosch 1 behandelte
Frage Nichomedia-Ongria. Wie Hosch zeigt, ist der Name Ongria
von Feraut aus Courtoisie gewählt. Hätte die Vita immer Nicho-
media, f statt dessen immer Ongria, so wäre für das Quellen-
verhältnis nichts zu gewinnen. Feraut gebraucht aber gamicht
blofs Ongria, sondern an einer Anzahl Stellen gleichbedeutend
damit Nichomedia resp. Nicomedia (so Kap. II, 88; XIII, 39;
XIV, 2 ; XV, 64). Das ist meines Erachtens am einfachsten so zu
erklären, dafs hier der Name Nichomedia der Vorlage stehen ge-
blieben, d. h. also, dafs die Vita das Original zu f ist.
Wenden wir uns jetzt der wichtigen Frage zu, ob sich Fehler
der vorhandenen Hss. auch in f finden! Diese Frage ist, wie mir
scheint, mit ja zu beantworten, und zwar glaube ich mehrere ge-
1 S. Hosch, Untersuchungen über die Quellen und das Verhältnis der
prov. und lat. Lebensbeschreibung des heil. Honoratus, Berlin, Diss. 1877.
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meinsame Fehler von f and PR, keinen dagegen von f und D
gefunden zu haben. Es sind folgende:
18,33 = Kap. XXXVI in f. D unum annum et quadraginta
dies. PR lassen unum weg. Dafs D richtig schreibt, zeigen zwei
bei Moris 1 abgedruckte päpstliche Bullen, f schreibt fälschlich mit
PR: an e caranta jortz.
23, 21 = Kap. XLV in f. D Honoratum de Lyrino, PR fälsch-
lich Honoratum delirum, f mit PR:
Mot es follz, za mi par, qui son seynor soanna.
Cal voles, Honorat o’l prince de Vianna?
23,37 88 Kap. XLVn in f. D Et disperso suo exercitu cum
uxore et liberis ... uix euasit. PR lassen uxore aus. Dafs es
fälschlich weggelassen, zeigt das in R noch stehen gebliebene et
vor liberis. In P fehlt auch et f hat die falsche Schreibung
Vorgelegen:
Et an pres sons enfanz e trastot son arney.
Mas el s’en es fugitz per pneys e per boscaje.
44,32 — Kap. XCV in f. D cum accederet cum genito ad in-
sulam Lyrinensem. Nur so ist das Folgende verständlich. R da-
gegen schreibt fälschlich cum accederet ad Lirinum cum gaudio.
Auch f hat cum gaudio vor sich gehabt und übersetzt es mit don
ac joya grant.
48, 15 = Kap. CXIV in f. D quem uix multorum precibus
olim in famulum recipere acquieui. R läfst recipere aus und macht
dadurch den Satz unverständlich. Nur so ist f zu erklären, das
ebenso unverständlich schreibt:
(Ben say que morray de dolor,
Si ti don al malvays deutor,)
Que l’ay rist alcuna sason
Non lo tengra gens per guarzon.
5O, 20 = Kap. CXVIII in f. D uidit in uertice monachi, quan-
tum circulus corone capitis continebat grandem oculum „er sah
auf dem Scheitel des Mönches, wie der Kreis der Krone des
Kopfes ein grofses Auge enthielt“. R dagegen . . monachi, quan-
tum crinibus corone capitis contingebant, grandem oculum „er
sah . ., soweit mit den Haaren die Kronen des Kopfes reichten,
ein grofses Auge“. Ich glaube kaum, dafs R richtig schreibt,
f schreibt mit R:
Mays aytant con tenc li corona
Un huells li vi sns la vertis.
So scheint zwar f Fehler von PR resp. R mitzumachen, trotz-
dem möchte ich es noch nicht wagen, auf diese doch nicht allzu
1 Moris, Cartulaire de l’Abbaye de L£rins, Bd. II, pg. 148 und 210.
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15
beweiskräftigen Belege hin f auf einen bestimmten Zweig des
Stammbaumes zu verweisen.
Geradezu verworren werden aber die Verhältnisse, sobald wir
v mit in den Kreis unserer Untersuchungen ziehen. Wir sehen
dann Dv vielfach Zusammengehen gegenüber f(P)R und würden
geneigt sein, f zu (P)R zu stellen. Neben dieser Gruppierung
kommt aber auch häufig die Gruppierung Df — v(P)R vor, und
das macht die Lage so kompliziert. Ich weifs in diesem Dilemma
keinen Rat und werde deswegen mich darauf beschränken, ohne
gröfsere Erörterungen sämtliche hierher gehörigen Stellen an-
zuführen.
I. Für Dv — f(P)R sprechen:
i 8, 33 = Kap. XXXVI in f. Dv unum annum et quadraginta
dies; PR annum et quadraginta dies, f an e caranta jortz; PRf
zeigen hier die falsche Schreibung —
29, 19 = Kap. LXXV in f. D dixit ei Honoratus, v ait illi;
PR dixit Honoratus femine, f Vay dire a la vieylla mesquina —
32,2 = Kap. LXXVII in f. D nunquam surgere, nisi prius
huius discriminis sciret causam, v ebenfalls nisi prius; PR lassen
prius aus, f: Denant Pautar non levaria, Si la veritat non sabia —
36. 31 = Kap. LX in f. Dv ero . . . promptus et sollicitus
suffragator; PR patronus statt promptus, f: tostemps mays seria
De l’islla de Lerins patrons et avocatz —
37. 31 = Kap. LXXXIV in f. D ut palam sibi diceret, si tune
mori debebat et cur tarn diu anxie laboraret, v . . ., si tune mori-
turus esset et cur . . .; R läfst mit Recht et vor cur aus, f: Prec
ti per lo Seynor . . . Que, si deves morir del mal que ti demena,
Diguas per quäl rason en sufres tan grau pena —
39,e = Kap. LXXXVII in f. D multa sunt miracula scripta,
auch v multa; R läfst multa aus, f: Si con li veritat conplida Fon
escricha . . . Dels miracles —
39, 7 = Kap. LXXXVII in f. D Nazarius abbas, auch v abbas;
R läfst abbas aus, f: sant Nazaris —
39.31 = Kap. LXXXVIII in f. D postulat, qualiter euaderet
incendium tanti ignis, v a tantis . . . ignibus; R läfst tanti aus, f:
Le princes li disia con es esdevengut
Que le fuecs ni la flama non li aia nogut —
40,5 = Kap. LXXXIX in f. D dum . . . iuuenis discumbenti-
bus ministraret, ähnlich v; R fügt ylariter ein hinter iuuenis, f:
Es de servir mot aprestatz —
41,23 = Kap. XC in f. D in festo beati Honorati, v dum
dies festi beati Honorati celebris instaret; diese Zeitangabe fehlt in
R und f —
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i6
42,50 = Kap. XCI in f. D ad patriam cum suis filijs rediens,
v cum eis ad propria remeauit; R fehlt ad patriam, f: Coli an e
van s’en mantenent —
43, 7 = Kap. XC1I in f. D quousque beatus Honoratus . . . eam
innocentem . . . liberaret, v quousque . . . sue casum innocentie
declarauerit ; R fehlt innocentem, f hat ebenfalls nichts Ent-
sprechendes —
44, lt = Kap. XCIV in f. D Quem dux . . . suscipiens, v
schreibt ebenfalls dux; R läfst dux aus, dgl. f —
46, j 4 = Kap. C in f. D meam famulam, v ähnlich; R meam
famulam Monthaninam, f: la mieva Montanina —
48, 2l = Kap. CX1V in f. D Ait illa, v respondit mulier;
R läfst Ait illa aus, auch f bietet nichts Entsprechendes —
48,5g = Kap. CXIV in f. D habundas, v abundas; R habes,
f: as —
48,30 = Kap. CXIV in f. D suam filiam, v filiam suam; R
filiam, f la jenzor —
2. Für Df — v(P)R sprechen:
10.3 = Kap. XVI in f. PR apparuit eis orantibus, v eis
orantibus apparuit; D läfst orantibus aus, f: lur es apparegutz —
30,55 = Kap. LXXV in f. PR Cumque . . . psallentes ceme-
ret ut deliros, v quasi delyros; D läfst ut deliros aus, auch f hat
nichts Entsprechendes —
32.4 = Kap. LXXVII in f. PRv beatus Petrus apostolus; D
beatus Petrus, f: sanz Peyre —
32,5g = Kap. LXXVII in f. PR Post instante quadragesima
adiit suam sedem, v imminente iam sancto quadragesime tempore;
D und f wissen von dieser Zeitbestimmung nichts —
32.34 = Kap. LXXIX in f. PRv episcopo Honorato; D beato
Honorato, f: A sant Honorat —
39.34 = Kap. LXXXVIU in f. D eas Ipsi restituit reuerenter,
f: Am gran humilitat li rendet sa comanda; in R und v fehlt
reuerenter —
43, 29 = Kap. XCUI in f. R cui illa misera consordum dene-
gabat, v misera illa; in D fehlt illa, auch f hat nichts Ent-
sprechendes —
45,8 = Kap. XCVII in f. D beatus Honoratus tarn assidue in-
uocatus, f: Qui es Honoratz de Lerins Que tant l’avias reclamat;
R und v fehlt tarn —
46,44 = Kap. C in f. R dixit eis, v eis dicens; D dixit,
f: e diz —
48,3g = Kap. CXm in f. R aruit ylico temeraria manus eius,
v ebenfalls temeraria manus; D läfst temeraria aus, f: Li man li
vay secar —
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17
50,20 = Kap. CXVIII in f. D in uertice monachi, f: sus la
vertis; R fälschlich in ceruice monachi, auch v ceruice —
Es ist somit schwer, f in den aufgestellten Stammbaum ein-
zureihen. Fassen wir jedoch alle Argumente zusammen, so glaube
ich nicht fehl zu gehen, wenn ich f und v nicht weit voneinander
stelle. Ich deute das im Stammbaum folgendermafsen an:
Original
I
a
J
i
1
I I
P R
I
O
Selbstverständlich will ich hiermit nicht sagen, dafs f irgend-
wie von v abhängig sei. Denn f ist älter als v und enthält vieles,
was v nicht enthält. Bestätigt finde ich meine Meinung der Zu-
sammengehörigkeit von f und v dadurch, dafs der in DR 47,21
und 49,4 genannte Abt Saluianus an den beiden entsprechenden
Stellen von v als Silvanus, von f als Silvan bezeichnet wird; ferner
erzählen f und v die zusammengehörigen Kap. 20 und 22 aus
D direkt hintereinander, ohne, wie es die lat Hss. tun, mit
Kap. 21 eine ganz andere Geschichte einzuschieben. Im übrigen
stellt sich allerdings bezüglich der Reihenfolge v näher zu den
Hss. als zu f. —
Auch das oben 1 erwähnte Fragment B scheint nahe an f zu
stehen, da der DR 45, 36 erwähnte Abt Nicencius von B als Vin-
centius, von f als Vincenz bezeichnet wird. In dem entsprechenden
Kap. von v kommt nach einer brieflichen Nachricht der Münchener
Hof- und Staatsbibliothek der Name Vincentius oder Nicencius
nicht vor.
Nach welcher Hs. hat die Textausgabe zu erfolgen?
Nachdem der Stammbaum fertig gestellt ist, erhebt sich die
Frage, welche Hs. der Ausgabe zugrunde zu legen und in welchem
Mafse die andern Hss. und Bearbeitungen zur Benutzung heran-
zuziehen sind. Um das festzustellen, ist es nötig, in einer ver-
1 Vgl. den Abschnitt „Überlieferung“, Seite 3.
2
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i8
gleichenden Darstellung der hauptsächlichsten Hss. uns den Wert
der einzelnen klar zu machen.
Über a läfst sich nur so viel sagen, dafs es vom Original schon
eine Anzahl Abweichungen aufwies, wie die DPR gemeinsamen
Fehler zeigen. Die Frage, ob a (und damit auch das Original)
die in D fehlenden, in R vorhandenen Wunder (Kap. 40 a, 41 a — i,
43 a — b, 46 a) enthielt, glaube ich entschieden bejahen su müssen.
Dazu zwingt nicht nur der Umstand, dafs die überzähligen Wunder
sich sprachlich von den andern nicht im geringsten unterscheiden
und sich ohne Störung in den Zusammenhang einordnen, sondern
vor allem folgende Erwägung 1 : Von den in R unter Abt Amandus
geschehenen Wundem bringt D nur das erste und letzte, von den
unter Saluianus und Porcarius geschehenen nur je das erste und
die beiden letzten, während die in der Mitte stehenden 9 resp. 2
resp. 1 Wunder fehlen. Um das zu erklären, bleibt nur folgende
Wahl: Entweder hat ein späterer Interpolator auf ganz raffinierte
Weise eine Anzahl Wunder in den Text hineingeschmuggelt, oder
aus der Masse der Wunder sind wegen der Fülle die jeweilig
mittelsten weggelassen worden. Letzteres ist allein wahrscheinlich.
Hinweisen möchte ich auch darauf, dafs eine auch in D vor-
handene Stelle geradezu auf das in D fehlende Wunder Kap. 46 a
zugeschnitten scheint. Es ist 19,7-$: Et dum quisquam diabolico
fomite extabat in aliquo uiciosus, ac si in simili deliquisset, a crimi-
noso consilium requirebat, quomodo posset a tali uicio resilire . . .
D: Einige Fehler von D lassen uns einen Schlufs ziehen auf
den Bau seiner direkten Vorlage. Danach umfafste eine Zeile der
Vorlage nicht so viel Worte wie in D. Wenigstens scheinen mir
(vgl. die betr. Anm. zum Text) in der Vorlage
io, 12 in osculo caritatis desideratos hospites letus hospes intro-
duxit —
20,29 ual]uas ecclesie sancti Trophimj, ubi concursus et strepitus
bellancium uale[scebat —
32,37 tradidit eam Honoratus cuidam nobili condecenter et
alitum secrete puerum —
je eine Zeile gebildet zu haben, während dieselben Worte in D
keine ganze Zeile füllen.
Ob D den unvollständigen Text bereits übernahm oder selbst
erst kürzte, konnte ich nicht feststellen. Im übrigen scheint sich
D fast sklavisch an seine Vorlage zu halten. Selbst Randglossen
werden in den Text übernommen. So
1 Abzusehen ist hierbei allerdings von Kap. 40 a, wo das letzte der unter
Abt Nazarius geschehenen Wunder erzählt wird.
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19
2,23 Creatori uel Conditori statt PR Conditori —
19.7 auxilians uel anxians statt PR anxians —
45. 7 zauram uel nauigium statt R zauram —
50,4 mundum uel seculum statt R seculum —
Flüchtigkeitsfehler, als Auslassungen und Verschreibungen,
kommen zwar öfter vor, aber absichtliche Abweichungen gestattet
sich D nur selten. Vgl. 8, 2 g dicti cathecumini — 17,4 ex deuo-
tione — 18, 6 set — 27, 8 Qui cum nichil inuenisset — 32, 15 ei
communicas assuete.
Infolgedessen können wir D als eine Hs. bezeichnen, die das
Original verhältnismäfsig treu wiedergibt. Nicht so gut steht es
mit den andern Hss.
Über y läfst sich nicht viel sagen, da wir die Hs. durch v
einer- und PR andrerseits doch nur ganz unvollkommen kennen
lernen. Sie zeigt bereits Fehler, die sich in a noch nicht fanden.
Der Text von ß war wesentlich verderbter als in D. Das
zeigen eine Unmenge unsicherer und falscher Stellen in PR. Ich
habe, um gleich einen Schritt weiter zu gehen, im folgenden nur
solche Beispiele gewählt, wo P und R nicht nur von D, sondern
sich auch untereinander unterscheiden:
D
R
P
i, 29 sincera
scintera
secura
4, 20 comptos
cunctos
conctos
5, 18 coniunctum
counitum
cognitum
5, 19 transubstanciatam
transunitam et
transsumptam et
transbeatam,
transbeatam
o,(4 confracti
confrecti
confreti
11,24 frendenter
frenditer
fortiter
31,34 in dolos
indoles
ydoles
31,35 diffidere
diffendere
defendere.
Nicht genug damit, dafs die Hs. von vornherein schlecht war,
hat sie, bevor direkt oder indirekt P und R aus ihr schöpften,
auch noch eine gründliche Revision erlebt, die sicherlich für die
Reinheit des Textes nicht immer vorteilhaft gewesen sein mag. So
wenigstens glaube ich die folgenden Stellen, wenn ich sie insgesamt
überschaue, deuten zu müssen. Ich gehe dabei von der Annahme
aus, dafs die Lesart von D die ursprüngliche ist 1 : ^
4,27 stand in ß zunächst richtig mit D eiulans, daraus später eiu-
lans, sodafs P ululans, R eululans schreibt —
1 Zu dieser Annahme komme ich durch die in fast allen folgenden
Beispielen auftretende Übereinstimmung von D mit R.
2*
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io
14. 37 stand in ß richtig mit D uerax et parum . . . loquens.
Später beseitigt ß das et Es fehlt daher in P; R dagegen schreibt
es und radiert es erst nachträglich aus —
2 2,, 9 stand in ß fälschlich wie auch in D errores. Dann
bessert ß in errores. Daher P erroris. R dagegen schreibt errores
und bessert nun erst in erroris —
28.37 stand ursprünglich in ß wie D: Hoc anno . . . cum prole,
quam habebitis, uisitate mecum insulam. ß versetzt mecum vor cum,
sodafs R mecum an beiden Stellen , P blofs vor cum stehen hat —
37. 5 stand in ß wie D socij sui. Dann ändert ß die Wort-
stellung. Daher P sui socii. R aber schreibt sodi sui und deutet
erst nachträglich an, dafs die Wortstellung umgekehrt sein soll —
Somit ist klar, dafs P und R ziemlich stark von der ursprünglichen
Fassung abweichen müssen, und dafs es sich daher nicht empfiehlt,
eine dieser beiden Hss. der Texlausgabe zu Grunde zu legen.
R ist, wie die soeben angeführten Beispiele zeigen, direkt aus
ß geflossen. Bewufste Änderungen hat R nur wenige vorgenommen.
Viele Fehler sind von ß übernommen und aus Flüchtigkeit noch
eine Anzahl neue hinzugekommen (vgl. den Abschnitt: Stammbaum
der Hss.).
Ob P direkt aus ß geschöpft, läfst sich nicht feststellen, obwohl
folgende Stellen vielleicht einen Schlufs auf die Zeilenlänge der
Vorlage erlauben:
8,3 fehlt in P: accederent ad baptismum, ut renati fonte baptis-
matis una foret inter eos fides mencium et pietas —
13,19 fehlt P: quadam die dictus episcopus post pluuiarum
impetus extra —
27.5 fehlt P: quadam uice pernoctasset ad domum suam
rediens uxore —
Ich nehme an, dafs im ersten Falle zwei und in den beiden
andern Fällen je eine Zeile durch den Schreiber von P übersprungen
sind. Verschreibungen an andern Stellen bestätigen das. So
28,14 P sibi penitentiam benedixit 1 ] et regectum a tempus a
consorcio sociorum penitentem [benedixit —
2 9»i 1—12 P • • •] cognosceret eiulatu, reuecta ianua intrauit
cameram | importune. Et cum Honoratus membra pueri indisposita
[cognosceret 1 componeret ... —
Demnach hatte die Vorlage von P noch kürzere Zeilen als die
von D. Das ist alles, was sich über die Vorlage von P feststellen läfst
1 benedixit resp. cognosceret sind an dieser Stelle in der Hs. durch-
strichen.
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21
P selbst ist unter den 3 Hss. DPR die am wenigsten sorg-
fältige. Trotzdem oder gerade deshalb trägt sie ein selbständigeres
Gepräge als die andern, insofern sie sich nicht sklavisch an die
Vorlage hält. Unverständliche Wörter werden durch ähnliche be-
kannte ersetzt, häufig allerdings ohne auf die Bedeutung Rücksicht
zu nehmen (Beispiele siehe in diesem Abschnitt bei Behandlung
der Hs. ß); Partikeln werden ein geschoben, um den Zusammenhang
klarer zu machen u. a. Besserungen mehr (13,32 * st eum hinter
credentes; 16, t Et vor cum; 16, 7 enim hinter Tibi; 28,34 et hinter
nobilis; 32,2 enim vor nunquam eingeschoben etc.). Aufserdem
wurde P mit Hilfe einer andern Hs. revidiert, wie Besserungen am
Rande mit dem Verweise „alias“ zeigen, und durch häufige Rasuren
der Text geändert. Infolgedessen finden sich in P manche Stellen
richtig, die in DR falsch sind (so 8, t5 oblectati, 25, 12 familiari-
tatibus), andrerseits weicht aber P auch gerade deswegen am meisten
vom Originale ab.
Ergebnis: D mit seiner Orthographie und Einteilung ist der
Textausgabe zn Grunde zu legen. Läfst D im Stich, so ist nach
PR resp. R zu bessern. Die in D fehlenden Wunder werden aus
R entnommen und an den Stellen eingeschoben, wo sie in R
stehen. Für diese aus R entnommenen Kap. sind v und f zur
Textbesserung heranzuziehen, die beide dem Original näher stehen
als R. Dv bürgt für Richtigkeit gegenüber fPR (einzige Aus-
nahme 37,32)» Df gegenüber vPR, Dvf gegenüber PR, dagegen
bürgt vfPR noch nicht für Richtigkeit gegenüber D.
Bemerkungen über L, a. k. 1
Der Vollständigkeit halber sei es gestattet, auch über L, a
und k noch einige Worte zu sagen, die allerdings alle drei wegen
ihres geringen Umfangs (auch von k stand ja nur ein kleines
Bruchstück zur Verfügung) für die Textausgabe fast ohne Be-
lang sind.
Was L anbetrifft, so tragen diese Lectiones einen durchaus
unpersönlichen Charakter, und wenn nicht gleich zu Anfang der
Name des Honorat stände, könnten sie ebenso gut auf einen andern
Abt und eine andere Klostergemeinde bezogen werden. Es liegt
daher nahe, in L eine Quelle für die Vita zu vermuten. Leider
ist das nicht der Fall. Die Unhaltbarkeit dieser Vermutung ergibt
sich aus einer Anzahl verderbter resp. ungeschickter Stellen in L.
Man vgl.
1 Vgl. den Abschnitt „Überlieferung“, in welchem die Texte L, a, k
erwähnt sind.
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22
1 8,37 L convivia statt richtig DPR comraunia —
19,7 L ac in simili deliquisset statt richtig DPR ac si in ... —
ig, 13 L latos pedes statt richtig DR letos pedes —
19,3 L si veram tremendi iudicij horam timere et evitare
vellent statt richtig D sentenciam tremendi iudicij timere et euitare;
ein Bedingungssatz ist hier gamicht am Platze —
19,4 L et solam Domini desiderare gloriam sempiternam, DPR
et desiderare gloriam sempiternam; solam Domini stellt einen un-
geschickten Zusatz von L dar —
L kann demnach nicht Quelle der Vita sein. Wir versuchen
deshalb, L in den Stammbaum der Hss. einzureihen. Dabei ergibt
sich folgendes: L steht näher zu PR als zu D. Das erhellt aus
einer ganzen Reihe von Beispielen, von denen ich nur die beiden
wichtigsten anführen will:
19,! 2 PRL Tegebant . . . uestis rigida et munda suum Corpus;
D Tegebant . . . uestis rigida mundissimum corpus eius —
19,! 4 PRL adeo intuitum focillabat, ut, si peccator existeret, . . .;
D adeo intuentium corda focillabat, ut, (si) peccator existeret in-
tuens, ... —
Diese Beispiele, wo PRL offenbar falsch schreiben gegenüber
der richtigen Lesart von D, lehren, dafs L unter a auf dem PR-
Flügel einzureihen ist Keineswegs aber ist L abhängig von PR.
So schreiben RP 19,4 fälschlich sentenciam tremendi iudicij tremere,
L richtig mit D . . . timere.
Demnach würde L im Stammbaum zwischen a und ß zu stehen
kommen.
Auch zu a läfst sich noch einiges sagen. Dieses Martyrium
stellt m. E. eine aufserhalb von Lerins entstandene Art Gedächtnis-
rede auf den Abt Porcarius dar. Darauf deuten wenigstens ein
als Zeichen des Mifsfallens eingeschobenes „miserabile visu“ und
„incredibile dictu“ hin, darauf auch die rhetorische Frage: Quis
enarrare valeat, quos gemitus . . . emittebant? und die Aufforderung
am Schlufs: Veneremur ergo et nos hodie, dilectissimi, hos Mar-
tyres ...» celebremus hunc diem! Dafs Lerins nicht der Ent-
stehungsort war, zeigen zwei ziemlich umfangreiche Kommentare zu
Lerinensis insula und zu Porcarius, welche folgen dermafsen lauten:
zu Lerinensis insula: Erat enim in eadem insula ä longis retro
temporibus domus Religionis, quse retinens maximum examen mo-
nachorum, praeter caeteras longe lateque diffusas omni sanctitate,
famaque celeberrima circumquaque rutilabat; und zu Porcarius: Eo
quippe tempore ccenobio Lerinensi praeerat vir per cuncta lauda-
bilis sanctus Porcarius abbas, qui sanctam congregationem illam in
diuino opere instruebat verbis et informabat exemplis, quae con-
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*3
gregatio in.tantum sub beati Viri disciplina sanctitale profecit, ut
oranes provinciaa Galliarum clerici episcopum, monachi sibi poscerent
abbätem in insula Lerinensi. Wenn somit auch nicht in Lerins
entstanden, mufs diese Rede doch später handschriftlich in der
dortigen Klosterbibliothek vorhanden gewesen sein, da Barralis als
Fundort angibt „ein sehr altes Ms. des Klosters zu Lerins“. Nach
Meyer 1 2 ist a eine aus dem n. oder 12. Jahrhundert stammende
Darstellung, die ursprünglich mit der Vita sancti Honorati nichts
zu tun hatte, sondern erst später, wie es ihm „ä premiere vue et
Sans entrer dans une recherche approfondie“ scheint, in der um-
gearbeiteten Fassung von DR an die Vita angehängt wurde. In
dieser Annahme hat sich Meyer getäuscht. Ich werde im Gegenteil
im folgenden den Beweis erbringen, dafs das Martyrium untrennbar
zur Vita hinzugehört, und dafs a abhängig von DR ist. Zuvor
möchte ich aber bemerken, dafs die Gründe, auf die Meyer seine
Meinung stützt, keineswegs stichhaltig sind. Er stützt sich darauf,
dafs in a die Vorgänge sich zur Zeit Karl Martells abspielen und
weder Genserich noch die Vandalen erwähnt werden, während DR
das Martyrium kurz nach Karls des Grofsen Tode ansetzen und
auch noch Genserich mit seinen wilden Horden auftreten lassen.
Ich meine, diese geschichtliche Treue einer- und Untreue andrer-
seits liefse sich auch so erklären, dafs a den ihm vorliegenden
Text einer Revision unterzogen hätte, eben um historisch genauer
zu sein.* Aufserdem ist die Erwähnung der Vandalen wohl nicht
allzu ernst zu nehmen. Das zeigt die Anra. der Acta Sanctorum
zu Agarenorum: Sive Saracenorum, quos alii Wandalos, alii Agarenos,
Ismaelites alii appellant, prout observat Mabillonius.
Sodann zu meiner eigenen Behauptung.
1. Die lat. Darstellung in den Hss. macht durchaus nicht
den Eindruck, als ob das den Schlufs bildende Martyrium von
der übrigen Vita zu trennen sei. (Anders verhält es sich aller-
dings mit f, wo man nach Ferauts eigenen Worten wohl geneigt
wäre, beide Teile schärfer zu trennen.) Sie zeigt im Gegen-
teil bei näherer Untersuchung, dafs beide Teile eng zusammen-
gehören, so eng, dafs man nicht annehmen kann, eine schon vorher
existierende Fassung a habe sich so leicht in den neuen Rahmen
einpassen lassen. Wir sehen die Zusammengehörigkeit einmal an
den beiderseitigen Beziehungen zum Volksepos, sodann auch an
wörtlichen Übereinstimmungen des Martyriums und der übrigen
Vita: 35,37 ff. weissagt Honorat dem Nazarius den Untergang des
Klosters, nachdem er und aliqui successores in Frieden gestorben
seien. Die Worte, die Honorat gebraucht, zeigen z. T. grofse
Ähnlichkeit mit den betr. Ausdrücken des Martyriums. So klingt
35, 35 hinc suas extendet propagines per orbem multiplicandas an
1 Romania VIII, pg. 504 ff.
2 Vgl. Stengel in Giomale di Filologia Romanza, Heft III, pg. 2 16 ff.
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M
an 51,3g quam . . . electa propagine propagauit, ... et ... per
orbem uberes palmites ampliauit (a : et electa propagine propagavit
. . . et ... per orbem uberes palmites ampliavit) oder 35,39 Venera-
bilis reliquias . . . occulta reuerenter an 52, 26 Occultemus (prouide)
uenerabiles reliquias (a: Occultemus venerabiles reliquias). — Ganz
abgesehen von der Wahl der gebrauchten Worte lehrt uns diese
Stelle 35,37 ff. noch mehr. Sie zeigt nämlich, wie der Verfasser
dazu kam, in einer Vita sancti Honorati auch noch das Martyrium
des 300 Jahre später lebenden Porcarius zu erzählen. Honoratus
sagt die Zerstörung des Klosters nach dem Tode des Nazarius und
einiger seiner Nachfolger voraus. Nun sind am Ende der Vita
einige Äbte gestorben. Zuletzt ist (49,4) Porcarius zum Abt von
Lerins erwählt worden. Ist es wunderbar, wenn nun auch noch
der Tod des Porcarius erzählt und damit die Erfüllung jener
Weissagung gezeigt wird?
Allerdings hinderte diese Zusammengehörigkeit nicht, dafs
später doch die Porcarius-Legende als solche von der Vita ge-
trennt wurde. Dieser Prozefs zeigt sich bereits in seinen Anfängen
in den Hss. D und R, die beide durch eine in D wunderbar ver-
zierte Initiale die Legende als besonderen Abschnitt der Vita
kennzeichnen, f behandelt das Martyrium in einem neuen Buche,
O läfst es ganz aus. Wie in O ist auch die Trennung vollzogen
bei Barralis, Surius und in den Acta Sanctorum, vollzogen in andern
mittelalterlichen Hss., wo die Porcarius-Legende allein auftritt. So
sind erst kürzlich durch die Analecta Bollandiana 1 zwei Hss. der
Bibliotheca Alexandrina zu Rom bekannt geworden, die beide das
Martyrium in derselben Form wie DRa behandeln. Die erste
(15. Jahrhundert) beginnt: Postquam Carolus vero Magnus in sancta
ac venerabili senectute migraverat ab hac vita . . .; die zweite
stammt aus dem 17. Jahrhundert und enthält aus der Vita sancti
Honorati neben der Porcarius-Legende auch „De S. Caprasio ex-
cerpta . . .“
2. D und R schliefsen so gut wie jene von Meyer in Romania
VIII, pg. 633 erwähnte Hs. mit den Worten significauerunt . . .
interitum et ruinam. (Amen.) Der Schlufs ist etwas plötzlich
herbeigeführt, und man ist der Meinung, dafs so die Vita eigentlich
nicht enden sollte. Um so weniger ist es zu verstehen, dafs, wenn
die Vita den harmonischen Schlufs von a gekannt, sie ihn nicht
auch benutzt hätte.
3. glaube ich aus der Disposition der ersten Zeilen des Mar-
tyriums (in der Vita ungefähr 5 i, s 17 ) meine Behauptung stützen
zu können. Sie ist
1 Appendix ad tom. 24 — 28, her. von Poncelet, pg. 166 und 194.
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*5
in a
Angriff der Sarazenen und Ver-
wüstung des Landes
Flucht der Anwohner
Nochmals Verwüstung des Landes
Fall der besten christlichen Führer
Also bei a verworrene, in DR klare Disposition. Es ist kaum an-
zunehmen, dafs DR aus der verworrenen Anlage von a eine klare
Disposition herausgeschält und zugleich noch den Inhalt durch
epische Zusätze dem Vorhergehenden angeglichen habe. Wohl
aber ist es denkbar, dafs a die verworrene Gliederung herbeigeführt
hat in seinem Bestreben, alle volksepischen Bestandteile auszuschalten,
die es in der Vita vorfand.
4. finden sich in a mehrere unklare Stellen, die in einem
Original sich wohl kaum finden würden und in DR in der Tat
nicht vorhanden sind: Nachdem 505 Mönche sich zum Martyrium
bereit erklärt haben, erzählen DR weiter: 52,34 Ceteri cum omnibus
nauigijs et preciositatibus monasterij celere recesserunt Eine ent-
sprechende Stelle fehlt in a. Trotzdem finden auch in a die
Sarazenen bei ihrer Landung keine Schätze vor. — Ähnlich über-
rascht uns in a die allein durch die Furcht motivierte Flucht des
Eleutherius und Columbus sowie die darauf folgende plötzliche
Ankunft der Sarazenen, während beides in DR vorbereitet wird
durch 52, 38 : Et post dies septem prospiciunt Lyrinenses, et ecce
multitudo nauigiorum proueniens ab occasu . . . properabat ad in-
sulara Lyrinensem. — 53 » 20- Columbus, der sich mit Eleutherius in
der Höhle verborgen hat, sieht, dafs die in der Luft einander er-
wartenden Seelen der Märtyrer auch dann noch warten, als bereits
alle hinaufgestiegen sind. Er erkennt daran, dafs sie auf ihn noch
warten, und gibt sich ebenfalls den Sarazenen zum Märtyrertode
hin. So DR; a dagegen erwähnt gar nicht, woran Columbus er-
kannte, dafs die Seelen der andern gerade auf ihn noch warteten;
es schreibt: Columbus verö et Eleutherius . . . videntes . . . sociorum
animas in aere sicut stellas fulgentes cum Angelis gloriantes et sese
inuicem prestolantes, dixit Eleutherio Columbus, nonne vides cum
quanta gloria fratres nostri qui modo passi sunt nos expectantes
ascendunt ad coelum? Auch hier zeigt sich somit DR als das
Verständlichere und damit wohl die Vita als Original.
5. beweist m. E. folgender gemeinsamer Fehler ebenfalls die
Abhängigkeit des a von der Vita. 53, 36 schreiben DR gauinarum,
a an der entsprechenden Stelle bavinarum, id est avium mariti-
marum (eine Anm. fügt hinzu: cuius modi fuerint istae aves marinae,
haud invenio). gauina selbst ist kein lat. Wort (= lat. gavia),
sondern erst nach dem prov. gavina gebildet, bavina existiert über-
haupt nicht Hier ist doch wohl das allerdings verderbte gauinarum
in DR
Angriff der Sarazenen
Schlacht und Sieg der Sarazenen
Flucht der Anwohner
Verwüstung.
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26
und nicht das nicht existierende bavinarum als Vorlage für das
andere anzusehen.
Ich glaube somit gezeigt zu haben, dafs nicht a, sondern die
Vita das Original war. Demnach könnten wir versuchen, a in den
Stammbaum einzureihen, a eine bestimmte Stelle anzuweisen, wird
uns jedoch nicht gelingen. Wir können vielmehr nur die Zwischen-
stellung von a zwischen D und Rf feststellen. Denn
1. zeigen folgende Beispiele das Zusammengehen von Da
gegenüber Rf:
52.2 6 Da Occultemus uenerabiles reliquias, ne a sacrilegis
contingantur; R fügt hinter Occultemus noch prouide ein, ähnlich
f ben e devotamentz —
53,4 Da Qui discedentes; R fügt clam hinter Qui ein, ähnlich
f Embleron si „stahlen sich weg“ —
2. Dafs a nicht abhängig von D, beweisen folgende Belege:
51,2g D beati Petri apostoli; dazu fügen R Lirinensis pro-
tectoris, a Lerinensium incolarum protectoris, ähnlich f Car eil es
de l’islla patrons —
52.27 D: a paganis prophanis, R: a prophanis, a: ä profanis —
53. 6 D litora Lyrinensia; R litora insule Lirinensis, a eben-
falls insulae Lerinensis —
Genaueres läfst sich über die Stellung von a im Stammbaum
nicht sagen. — Für die Textausgabe besitzt a insofern einige Wichtig-
keit, als in a zwei DR gemeinsame Fehler (5 1, 12 und 52, 33 ) be-
reits gebessert sind und diese Besserungen nun blofs aus a über-
nommen zu werden brauchen.
Was k, die ziemlich wortgetreue katalanische Übersetzung,
anbetrifft, so ist hier das vorhandene Material so gering, dafs es
für eine Ausgabe des lat. Textes absolut wertlos ist. Ja es reicht
nicht einmal hin, um k in den Stammbaum einzureihen. Die k
zugrunde liegende lat. Hs. stand näher zu D als zu PR. Das
zeigen Beispiele wie
1,28 D filium, k fill, PR puerum —
2, 5 D petebat ab eo, k demana li, PR petebat —
2,8 Dv fili mi, k Fill meu, PR fili —
53, 3l D totam noctem, k tota la nuyt, R noctem —
Dafs aber k unabhängig von D ist und dessen Fehler nicht
übernimmt, zeigt:
51.7 D duces Uezianum, R fügt hinzu et Amaudum, daher
k e Arnaut duch.
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27
Es fragt sich daher, ob k unter oder über a , ob auf dem
D- oder dem PR -Zweige des Stammbaums einzutragen ist. . Denn
dafs k richtig schreibt (zu 2, 38 ) e aytant lenfant havia major
espaventament und (zu 5 1, 8 ) companya, während a in beiden
Fällen falsch schreibt 1 , berechtigt uns noch nicht, k über a an-
zusetzen. Es braucht das keineswegs an einer fehlerlosen Vorlage
zu liegen, sondern das können sinngemäfse Besserungen von k
selbst sein.
Bemerkungen über Quellen, Verfasser, Entstehungsort
und -zeit der Vita.
Quellenangaben: Wenn ich der Quellenfrage einen besonderen
Abschnitt widme, so soll damit nicht gesagt sein, dafs ich diese
Frage auch nur annähernd lösen zu können glaube. Denn woher
der Verfasser die Wundererzählungen und die übrigen, durch die
Geschichte nicht belegten Tatsachen aus Honorats Leben genommen
— ob aus Niederschriften, ob aus volkstümlichen mündlichen Über-
lieferungen oder woher — , das wird sich wohl nie entscheiden
lassen. Auch auf die Bestandteile, die ihm in grofser Zahl die
afrz. Volksepen, die Bibel (vgl. Stellen wie7, 32 ; 18, 19 ; 31,4; 34,33 ;
52,j ff.; 52,22 u. a.) sowie Urkunden der Lerinensischen Kloster-
bibliothek (päpstliche Bullen, Klosterchronik) lieferten, will ich nicht
näher eingehen, zumal hierauf z. T. in den Vorarbeiten schon auf-
merksam gemacht ist. Hinweisen möchte ich vielmehr nur auf
folgende zwei Quellen, die übrigens von Hosch im I. und II. Teile
seiner Diss. auch schon erwähnt sind:
1. Die Leichenrede des Hilarius auf Honorat. Diese hat
nicht nur den Rahmen abgegeben, in den die Vita die einzelnen
Ereignisse hineinbaute, sondern zeigt auch wörtliche Überein-
stimmungen mit der Vita. Es sind in der Hauptsache folgende
Stellen :
Sermo (nach Migne, Bd. 50).
Assistit tironi suo Dominus con-
solator, nec dissimulat unum ei ex
germanis suis in collegium suscitare
. . . et senior iuniorem secutus . . .
sicut collegio illum, ita etiam virtute
comitatus est —
transit letitia in serenitatem; mem-
brorum vigor animi vigore mutatur .
Virtus corporis in virtutem spiritus
Vita (nach D).
7, ja ... astitit iuxta eum Dominus
Ihesus Christus, sollicitus consolator,
. . . et ait suo sincero tyroni: „Ecce
iam te cum tuo germano recipio in
collegium electorum meorum, quos
non minus comitaberis consortio quam
uirtute.“ —
7, 21 ... transit illico uigor eius in
uirtute spiritus et efficitur totus alacer
(PR alter) —
1 Vgl. den Abschnitt „Textbesserungen“.
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2 8
Sermo (nach Migne, Bd. 50). ] Vita (nach D).
raigrat . . . Facies ... fit plena gra-
vitatis . . . Ita repente totus alius ex
alio ostenditur —
. . . tanto magis fama emicabat, et
alter alterum laudi objicere ... et ad
unum communem virtatem (al. virtutnm
apicem) referre . . . Iam quse illorum
gravitas, quam senilis maturitas, quam
rara feminarum visitatio etiam pro-
ximarum . . ., quam blanda consolatio
et quam sollidta custodia . . . An-
gelica ab illis vita in terra ducebatur,
in multa patientia, in vigiliis, in je-
juniis, ... in verbo veritatis, in vir-
tute Dei —
ut non aliter genitor ipsius, quam ! 8, ]0 Andriochus ... tamquam or-
orbatus filio pater lamentaretur — I batus filijs laraentando —
2. scheint auch die sog. Chronik des Turpin der Vita manches
Motiv geliefert zu haben. Man vgl. nur Kap. I der Chronik: De
eo quod Apostolus Jacobus Karolo apparuit mit Vita io, 32 ff.;
Kap. II: De müris Pampiloniae per semetipsos lapsis mit Vita i6, 37 ff.;
Kap. IV: De idolo Mahumet mit 24,5, ff.; oder folgende Worte aus
Kap. XII: Mox ut Aigolandus agnovit loquelam suam arabicam,
quam Karolus loquebatur, miratus est multum et gavisus est. Di-
dicerat enim Karolus linguam sarracenicam apud urbem Toletum,
in qua, cum esset iuuenis, aliquanto tempore commoratus est —
II *t5— 19 UQ d IO »26-32*
Verfasser: Über den Verfasser finden wir in der Vita auch
nicht die geringste Angabe. Fragen wir aber, wer in erster Linie
dazu berufen war, dieses Leben zu schreiben, so müssen wir sagen:
ein Mönch von Lerins. Ein solcher hat in der Tat die Vita ge-
schrieben. Denn wer anders als ein Lerinenser Bruder sollte, ab-
gesehen von aller andern Belesenheit, eine solche Kenntnis der
Geschichte des Klosters besitzen? Wer eine solche Kenntnis der
Kloster bibliothek , dafs er Bemerkungen machen konnte wie 39, 6
De cuius uita multa sunt miracula scripta in insula Lyrinensi oder
47,37 Cuius uita laudabilis plena miraculis habetur in insula Liri-
nensi? Es bliebe allerdings noch die eine Annahme, dafs das
Kloster für die Abfassung der Vita seine Bibliotheksschätze einem
Fremden zur Verfügung gestellt habe. Doch ist das ganz un-
wahrscheinlich.
Also ein Lerinenser Mönch hat die Vita verfafst Nun kennen
wir bereits einen Klosterbruder, der sich mit dem Leben Honorats
19,29 • • • diffundebatur fama eorum,
et alter trahens alterum ad desideratum
uirtutum apicem concurrebant, . . .
eratque in illis morum grauitas et
senilis maturitas et rarissima sanctarum
et cuiuslibet uisio feminarum. Erat
namque blanda consolatio et sollicita
obsequia . . . ; tota uero uita eorum
erat in multa paciencia, in uigilijs,
ieiunijs, . . . uirtute et ueritate —
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29
beschäftigte, nämlich R. Feraut. Es erhebt sich daher die Frage:
Sollte nicht, wie es zuweilen vorgekommen, Feraut selbst die Vita
verfafst und dann in prov. Verse übertragen haben? Diese Frage
ist zu verneinen. Dafs Feraut nicht auch das Latein verfafst haben
kann, ergibt sich aus folgendem:
i. macht das prov. Gedicht eine viel ausgedehntere Ver-
wendung von afrz. Epen als die Vita*
2. bringt f in Kap. CXV 1 II ein Wunder, von dem es ausdrück-
lich bemerkt, dieses habe nicht in seiner Quelle gestanden. Hat
aber Feraut die Quelle verfafst, warum hat er dann das betreffende
Wunder dort nicht mit untergebracht?
3. bringt f in Kap. LXXVI eine etymologische Erklärung des
Ortsnamens Draguignan. Der Name fehlt im Latein überhaupt,
während dieses doch sonst ähnliche volkstümliche Etymologieen
nicht verschmäht (vgl. 15,29 Lirinus; 38,39 Arlucum).
4. Besonders deutlich zeigt sich die verschiedene Autorschaft
an folgender Stelle:
30, 8 . ., ubi ad presens dicti draconis ossa
strantur; f dagegen in Kap. LXXVI On esteron li
c’on los mostrava De la mala serpenb
arida demon-
os lonctemps,
5. Wie schon an anderer Stelle hervorgehoben, ist aus der
Vita deutlich zu ersehen, dafs die Porcarius - Episode mit zum
Ganzen gehört, f dagegen trennt sie nicht nur äufserlich mehr
als die Vita von dem übrigen Text, sondern hebt auch ausdrück-
lich hervor, dafs sie nur als eine Art Anhang aufzufassen ist.
App. Kap. I: Ben pensiey esser quitis deus aquest’ hora enant,
Pueys que avia complit la Vida del cor sant: Comandament m’a
fag l'onratz payres en Crist . . . Qu’escrivia lo martiri dels mone-
gues eine eens.
6. finden sich, wie schon erwähnt (vgl. Seite 12 — 13), in f
manche Ungenauigkeiten, die im Latein nicht vorhanden sind.
7. ist anzunehmen, dafs Feraut als Verfasser der Vita die
lat Original-Hs. für den prov. Text benutzt hätte. Wie jedoch die
Erörterungen über f zeigten, hat dem f das Original nicht zu
Grunde gelegen. Dann hätte aber mindestens Feraut in f keine
Fehler lat Abschriften mitmachen dürfen. Auch das scheint ihm,
wie wir sahen, passiert zu sein.
Somit ist klar, dafs Feraut die Vita nicht verfafst haben kann.
Darüber aber, wer sie sonst geschrieben, könnte uns wohl nur die
Original-Hs. Auskunft geben, und die ist leider verloren.
Entstehungsort: Die Frage nach dem Entstehungsort ist schwer
zu beantworten, da sich in der Vita nirgends eine bestimmte An-
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30
gäbe darüber findet Meyer 1 nennt nach dem Grundsatz „is fecit
cui prodest“ die Insel Lörins. Das erscheint auf den ersten Blick
als das Wahrscheinlichste, zumal wir sahen, dafs als Verfasser nur
ein Lerinenser Mönch in Frage kommen kann. Trotzdem kann
ich mich dem nicht anschliefsen. Dafs die Vita dort nicht ent-
standen ist, glaube ich aus folgendem zu erkennen:
Zunächst gebraucht die Vita, wenn sie von der Insel spricht,
immer nur Adverbia wie illucf, illic, ibi, ibidem, ein hic oder huc
aber ist auch nicht einmal zu belegen. (Wohl steht 35,35 hinc,
doch gleich dabei wieder ibi, inibi. Letztere sind hier auch allein
richtig, da der redende Honorat sich gar nicht auf Lerins befindet)
Ferner berichten die Hss. i 8, 11 _ 15 von einer grofsen, die ge-
samte Provence umfassenden Schenkung Karls d. Gr. an das
Lerinenser Kloster. Nun existierte 2 im Kloster bereits im 12. Jahrh.,
also vor Abfassung der Vita, eine Schenkungsurkunde, durch die
Pipin den Mönchen grofse Ländereien und viele Vorrechte über-
läfst. Ein Vergleich dieser in v teilweise wiedergegebenen Urkunde
mit dem Bericht der Vita zeigt, dafs offenbar beide dieselbe
Schenkung meinen. Trotzdem hat die Vita von der Urkunde
keinen Gebrauch gemacht.
Sodann erzählt Feraut, dafs die Vita aus Lerins nach Rom
gebracht, lange Zeit verloren gewesen und erst kürzlich wieder-
gefunden und durch einen Mönch aus Rom zurückgebracht sei.
(Kap. I: De Roma l’aportet uns monges de Leris; De lay si
trays li gesta d’una antigua scriptura. — Kap. I des Anhangs:
Qu’entro en aquest temps avia estat perduda. — Kap. V des An-
hangs: Pueys an apareyllat e barcas e huciers, E met y lo trezaur
trastot le cellariers . . . E cesta sancta vida que sant Honorat fey,
Qu’estet dous aquel temps perduda et ablatada Tro Dieus per sa
merce la nos a revelada.) In „aportet“ glaube ich einen un-
zweifelhaften Beweis dafür zu erblicken, dafs die Vita von aufser-
halb nach Lerins gebracht wurde. Eine gewisse Garantie für die
Richtigkeit des „aportet“ steckt in „entro en aquest temps“;
dieses zeigt nämlich, dafs es sich hier keineswegs um eine alte
Klosterüberlieferung handelt. Es bliebe nur der Einwand übrig,
Ferauts Darstellung sei falsch, und das anzunehmen ist kein Grund
vorhanden. An „de Roma“ allerdings sowie an der „antigua
scriptura“ wage ich zu zweifeln. Denn der Mönch brachte die
Vita offenbar daher, wo sie entstanden. Dafs sie aber in Rom
entstanden, dafür gibt es auch nicht den geringsten Anhaltspunkt.
Hier hat doch wohl Feraut der Darstellung zu Liebe eine kleine
Fälschung begangen. Es pafste das so schön in den Rahmen:
Überfall des Klosters durch die Sarazenen, Rettung der Schätze
und somit auch der Bibliothek nach Rom, Rückgabe der Bücher
von — Rom. Ich möchte vielmehr den Entstehungsort, da Lerins
1 Romania VIII, pg. 486 ff.
* Romania V, pg. 346, Anm. 1.
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3 l *
selbst wegfallt, in der Nähe der Insel auf dem Festlande suchen.
Wenigstens weisen dahin fast alle in der Vita vorkommenden Orts-
namen. Vielleicht war es eine der von L6rins abhängigen Prioreien
oder Pfarreien, wo ein Bruder Mönch seine freie Zeit damit zu-
brachte, das Leben des verehrten Vaters aufzuschreiben, nachdem er
zuvor die Klosterbibliothek zu diesem Zwecke durchgesehen hatte.
Doch welches auch der Entstehungsort gewesen sein mag,
soviel ist sicher, dafs die Vita schon früh auf Lerins in Abschriften
vorhanden gewesen und kleinere Abschnitte aus ihr, hier und da
zerstreut, auch in andere Lerinensische Hss. übergegangen sind
(vgl. die auf Seite 3 erwähnten Bruchstücke aus Barralis). In vielen
Abschriften scheint sie allerdings überhaupt nicht verbreitet gewesen
zu sein. Denn der Kompilator von v, der um 1500 sicher ur-
kundliches Material von L6rins benutzte 1 und demnach wohl auch
eine Lerinenser Hs. dem Druck zugrunde legte, sagt ausdrücklich
auf dem Titel*: Habes hoc insigni novoque opusculo, lector optime,
quod alii quidem tibi Codices perpauci dabunt
Ja 100 Jahre später konnte Barralis auf Lerins und in andern
Archiven der Umgebung auch nicht eine Spur mehr von der Vita
entdecken. 3 Seitdem war sie gänzlich verschollen, und erst in
neuester Zeit ist sie wieder ans Tageslicht gezogen worden.
Entstehungszeit: Auch über die Entstehungszeit läfst uns die
Vita vollkommen im unklaren. Meyer 4 nimmt das Ende des 12.
oder Anfang des 13. Jahrhunderts an. Das ist m. E. etwas zu früh.
Als Terminus ad quem bleibt selbstverständlich das Jahr 1300 be-
stehen als Abfassungszeit von f. Nun der Terminus a quo: 45, 10
wird die Bekehrung sarazenischer Seeräuber aus Murcia, 45,28 sogar
des Herzogs von Murcia erwähnt. Ich meine, wenn die Vita das
schreibt, so mufste die Christianisierung von Murcia mindestens
schon begonnen haben. Sie begann mit der Unterwerfung durch
Alfons von Castilien i. J. 1236. Ferner 51,4 wird ein rex Granate
genannt. Nun gehörte Granada bis 1238 zum Kalifat Corduba und
war erst seit dieser Zeit selbständiges Königreich. Es ist daher
auch nirgends in den älteren französischen Epen von einem König
von Granada die Rede. 5 Hieraus schliefse ich, dafs die Vita nicht
vor den vierziger Jahren, ev. erst in der 2. Hälfte des 1 3. Jahrhunderts
entstanden ist. Dazu stimmen auch folgende Tatsachen:
1. Feraut sagt, wie schon erwähnt, dafs seine Quelle bis vor
kurzem verloren gewesen war, nun offenbar deswegen verloren, weil
sie bis vor kurzem noch gamicht existierte.
1 Vgl. Hosch ( 1 . c.).
* Vgl. Romania V, pg. 240.
* Ich schliefse das daraus , dafs er, der alle erreichbaren Archive nach
Nachrichten über Lerins durchsucht hat, die Vita vollkommen ignoriert.
4 Romania VIII, pg. 486 ff.
* Vgl. E. Langlois, Table des Noms Propres de toute nature compris
dans les Chansons de Geste, Paris 1904.
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3 *
2. Nostradamus erzählt in seiner „Histoire de Provence“
pg. 320 — 21 die Geschichte der unschuldigen Sibilia (41,1s ff.) und
behauptet, das habe sich z. Z. Karls L von der Provence zugetragen,
welcher 1246 — 85 regierte. Die Geschichte ist in der Tat derart,
dafs sie wohl passiert sein kann. Aber Nostradamus hat sich überall,
wo er nachgeprüft werden konnte, als Schwindler erwiesen 1 , sodafs
auch dieser Amgabe nicht zu trauen ist
Textbesserungen.
An Lexicis usw. habe ich benutzt: Die lat. Wörterbücher von
Georges, Du Cange und Forcellini; Körting, Lat-romanisches Wörter-
buch; den Thesaurus Linguae Latinae; Rönsch, Itala und Vulgata;
Gradenwitz, Laterculi Vocum Latinarum.
1,20 schreiben DR sectionem, dessen Bedeutung hier nicht
palst. P hat ein ganz unverständliches fiecionem. Zu schreiben
ist, wie Meyer bereits Romania VIII besserte, seductionem —
2. 6 DPR Cui puer inter alia dixit ei, quod ... ist unmöglich,
ei mufs gestrichen werden —
2, lt DPR susurrores existiert nicht. Ist vielleicht entstanden
durch Mischung von susurratores „Mucker“ und susurrones „Flüsterer,
Ohrenbläser“. Schreib susurrones, welches am besten pafst zu dem
folgenden et fictores —
2, S8 DPR tanto maiori percunctabatur terrore (P bessert nach-
träglich in percutebatur) pafst nicht recht, da percunctari = über-
legen. Es ist daher besser zu schreiben t. m. percutiebatur t
(vgl Anm. zu 3, S8 ) —
3,24 DPR cunctabatur ad patrem suum quantocite properare.
Wie das folgende Caprasius prospicieDS iuuenem celerem ad regressum
zeigt, ist jedoch gerade das Gegenteil von cunctari = zögern be-
absichtigt Schreib daher nach 40, 39 percunctabatur, sodafs der
Satz den Sinn bekommt: „er überlegte, wie er so schnell als mög-
lich . . . könnte“ —
3,3 8 DPR summo gaudio percunctatus. Mufs natürlich heifsen
percussus (vgl. Anm. zu 2, 38 ) —
4, 16 D experta dolis muliebris, PR mulcebris. Beides kann
kaum richtig sein. Es ist zu ersetzen durch muliebribus —
5,22 DPR Attende . . . contrariam omni naturali opinioni. Con-
trariam ist offenbar Adjektiv, denn das entsprechende Substantiv
lautet contraria, orum und würde aufserdem hier wenig passen. Ich
ergänze daher als fehlendes Substantiv doctrinam —
6. 7 DPR fallacijs scripturarum christianorum, que ad placita
sunt scripta. Schreib richtig scripte —
1 Vgl. Revue de» sociitis savantes, 6e »6rie, t. II, pg. 56 ff.
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33
6, 14 DPR funestrem uitam ferentes. Funestrem existiert nicht
und ist wohl entstanden durch Mischung von funebrem und funes-
tam. Es ist daher zu ersetzen durch funestam —
6,, 5 DPR lugubri „traurig“ mufs geändert werden in lugübres,
da das Wort nur nach der 3. Deklination geht —
7,20 DPR sed tue uirtutis indeficiens dextera . . . perficiat celesti-
bus regnis dignum. Es fehlt zu perficiat das zweite Objekt me,
welches vor perficiat einzufügen ist —
8, 7 DPR inter nebula ist falsch, da immer nebula, ae f. Schreib
daher nebulam —
8,29 DPR ob rite ist falsch und wohl entstanden aus Mischung
von ob ritu und rite. Zu schreiben ist daher ob ritu oder rite.
Ich entscheide mich für letzteres —
8,3g DPR serpente diabolo . . . impellente peplice uentorum
turbines. Peplice existiert nicht und ist wohl ein Schreibfehler statt
poplice (= publice) „allesamt, insgesamt“ —
9, 18 D contemptiose insospite et a Dei famulis discesserunt.
PR fehlt et. Es ist wohl am besten zu ändern in contemptiose et
insospite a Dei . . . f (Kap. XV, Vers 61): Dels santz si van partir,
guabant e contendent —
9,20 DPR ut üenuudatis uestibus, quas ferebant, eorum precio
ductorem conducerent. Wie quas zeigt, ist eorum zu bessern in
earum —
9,29 DPR constipti celibe sese ex inconstanti animo . . . deuulta-
bant. Constiptus existiert nicht, und celibe „unvermählt“ ist hier
unverständlich. Ich ändere daher in conscripti celite „die himmlisch,
d. h. von Gott Auserwählten“ —
10,2 DPR ad opidum, qui nominatur Uercellum. Da sowohl
opidum wie Uercellum Neutra sind, ist qui durch quod zu er-
setzen —
10,9 DPR uiderunt . . . lumen cadere ut Stella. Stella ist wohl
ein Schreibfehler für stellam, wenigstens steht an der ähnlichen
Stelle 53,21 die entsprechend richtige Form (allerdings nur in
D, nicht in R): uidebant lucidas sanctorum martirum animas sicut
stellas ... —
10,24 * st > w ^ e bereits Meyer in Romania VIII, pg. 486 ff. getan,
hinter conuallata ein et einzuschieben. So auch in f (Kap. XVII,
Vers 13 ff.):
El temps antic que malvestatz
De ley de payania
Mantz reys e raantz apoestatz
Ac mei en heregia . . .
Et a Pepin duc de Bayviers
Fazien guerra e tenza ... —
3
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34
n,24 D Non dedigneris felicitatem meara conspernere „Ver-
achte 1 raein Glück!“ PR schreiben infelicitatem „Verachte mein
Unglück!“ Der Sinn ist aber offenbar „Verachte mein Unglück
(d. h. mich Unglückliche) nicht!“ Daher f (Kap. XIX, Vers 63):
Non laysar la mesquina! und k: No vuylles meynsprear aquesta
malauyrada! Die Stelle ist daher zu bessern in: Non digneris
infelicitatem meam conspernere! —
12, j 3 fehlt in DPR hinter ageretur ein contigit ut —
1 2, 15 DPR funestri uoce. Funestris existiert nicht (vgl. Anm.
zu 6 fl 4 ). Schreib daher funesta uoce —
13.8 DPR et, quidnam esset, obtractans. Obtractare =
verkleinern. Offenbar ist hier das andere Kompositum per-
tractare = überlegen gemeint Demnach ist zu bessern in per-
tractans —
14.9 DPR discurrentes per . . . nemoris latebrosa. Latebrosus
ist Adjektiv. Es fehlt conuallia, wie 17,21 zeigt: Cum . . . latebrosa
conuallia perlustrassent —
1 5,3 DPR cum me tua mors ilico connectabit. Die Form con-
nectabit gibts nicht. Es wäre entweder an connectere = verflechten
oder an connecare = simul necare zu denken. Ich halte letzteres
für wahrscheinlicher und schreibe connecabit, obwohl auch connectat
als Konj. Praes. etwas für sich hat in dem cum. f (Kap. XXVII,
Vers 48): Huey mays morray vivent —
15,1:3 DPI*, prosiliens trudde. Trucide existiert nicht und ist
zu ersetzen durch truciter = atrociter „wild“ —
15,33 DR insulxit . . . rugilus et sibilus colubrorum, P insulit
Da weder insulxit noch insulit existiert, schreibe ich insurrexit „er-
hob sich“, f (Kap. XXVIII, Vers 105): Siblan tan fort e cridan —
16.25 DPR expansit (Perf.) ist zu bessern in die grammatisch
richtige Form expandit —
17,7 fehlt wohl in DPR maximus enim erat vor sapienda und
mufs eingeschoben werden —
i 8, 13 D inter mare, riueriam, Alpes, qui superstant Ytaliam
et per Durenciam et Rodanum deriuatur ad mare. PR schreiben
z. T. anders, haben aber mit D die beiden Fehler qui und
deriuatur gemein. Diese sind zu bessern in que und deri-
uantur —
18,27 DPR fehlt hinter peccatorum remissionem das Haupt-
verb, etwa concessit f (Kap. XXXVI, Vers iff.): Trastut ciyll . . .
Aian aquell perdon que ... —
19.25 DPR maturatus et perfecte digestus „gereift und voll-
kommen aufgelöst“. Maturatus pafst m. E nicht recht in diesen
1 conspernere habe zwar in keinem Lexikon finden können; ich nehme
aber au, dafs es die Bedeutung des Simplex hat.
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35
Zusammenhang. Ich ersetze es daher durch maceratus „abgehärmt,
entkräftet“ —
20, j 4 DPR reddere grata in der Bedeutung „Dank abstatten“
gibts nicht. Schreibe daher reddere gratias —
21. 8 DPR sacra tecta. Meyer schlägt in Bull. hist, et philoL
( 1 . c.) als Konjektur sacra texta vor —
2 i tl 0 DPR seculi dignitates, que eo inuito faciebat populus.
Que ist zu ersetzen durch quas —
22.3 DPR funestre obsequium. Vgl. die Anm. zu 6, 14 ; I2, 15 .
Hier ist wohl am besten funebre einzusetzen —
22, lg DPR illecebrum fomitem. Illecebrum existiert nicht
und ist wohl entstanden durch Einflufs von illecebra, ae f.
„Lockung“ und illecebrare. Ich bessere in illecebrosum „ver-
lockend“ —
22.32 DPR in hac uita lubrici ist verderbt. Ich ersetze lubrici
durch lubrica —
22, 36 DPR tanta infectione acenositatis tumentis . . . pre-
grauatus. Acenositas gibts nicht. Es ist offenbar beeinflufst durch
, cenositas „kotiger Ort, Pfuhl“. Zu schreiben ist ulcerositatis
„Eiterung“ —
23.4 DPR serpens obtenebre „Schlange der Finsternis“. Ob-
tenebre gibts nicht und ist wohl gebildet in Anlehnung an obtene-
brare. Bessere in tenebre —
23.8 DPR anxiebatur (in R nachträglich aus anxiabatur) ist zu
ändern in anxiabatur (vgl. 23,4 anxiatur), da dieses Verb nirgends
nach einer andern als der 1. Konjugation vorkommt —
23,42 DP delirositatem existiert nicht, R demulsitatem ist
ganz unverständlich. Ich schreibe daher deliritatem „Wahn-
witz“ —
23,34 DPR Sed quia nullum malum impunitum et irremunerabile
quodque bonum ... Et ist natürlich falsch und durch nec zu er-
setzen —
23,30 DPR meritoria pusillanimitate complexus. Der Sinn soll
offenbar sein „von verdienter, gerechter Kleinmut gepackt“. Meri-
torius hat aber diese Bedeutung nicht. Ich bessere deshalb in
merita —
23,38 DR per latebra, P per latebrosa ist zu ändern in per
latebras —
24.33 DPR Que cum inficeret ueritatem. Obwohl hier inficeret
eventuell stehen bleiben könnte, glaube ich doch mit 27,3 (vgl. die
Anm.) auch hier infiteretur dafür einsetzen zu sollen —
24,33 D trubium, P tribuum, R rubium. Wie in directione
zeigt, handelt
es sich um einen Dreiweg. Ich schreibe daher tribium (nach Du
Cange = trivium). f luec coveynable —
3 *
triplici secundum adequationem quadriuij discurrentis
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36
25.5 DPR loram sue cuculle. f (Kap. L, Vers 13): De sa
coguylla un pannet. Lora, ae in einer passenden Bedeutung ist
nicht zu finden. Ich schwanke zwischen oram = Saum und lorum
= Riemen. Letzteres erscheint mir jedoch wahrscheinlicher nach
19, 12 Tegebant . . . cilicium . . . corpus eius et caput arta melota —
26,j D uerendo, que contigerant, PR . . . contingerunt. Beide
Verbformen passen wenig in den Zusammenhang. Ich schreibe
daher contingerent —
26.33 DPR meritoriam ultionem ist zu bessern in meritam
ultionem (vgl. Anm. zu 23, 36 ) —
27,8 D Qui cum nichil inuenisset palst nicht zu dem vorher-
gehenden requirebat. Wohl würde PR Que cum inficeret postulata
stimmen, wenn inficere die Bedeutung „leugnen“ hätte. Es ist
aber inficere = leugnen nirgends zu finden, wohl aber infiteor
(daneben auch infitior und inficior, beide nach der 1. Konjugation)
im Forcellini. Die Schreibung inficior bringt Forcellini mit in und
facere zusammen: „quasi quis aiat, se non fecisse“. Ich glaube
jedoch nicht, darauf weiter bauen und ein sonst nicht in dieser
Bedeutung belegtes inficere als richtig ansehen zu können, und
ersetze inficeret durch infiteretur. f: Car non lo li volc autreiar •
(autreiar = versprechen, zustimmen, eingestehen und nicht, wie
A. L. Sardou in Anm. 7 zu Kap. LXIX meint, = pardonner) —
28, l4 DPR reprobis afficiens. Reprobum als Substantiv gibts
nicht, sondern nur reprobrium = opprobrium, sodafs zu schreiben
ist reprobriis afficiens —
28, 17 und 28,21 sieht DPR dissimulanter fälschlich statt des
Simplex simulanter „zum Schein, sich den Anschein gebend“. Da-
gegen ist 2 8, 18 dissimulationibus „Verstellungen“ richtig —
30,7 DPR (accedens) quam totius. Sinn: „so schnell als möglich“.
Diese Bedeutung ist aber für quam totius nirgends zu finden. Ich
bessere daher in quam citius —
31,19 RDP Cumque iuuenis inficeret ita esse. Es ist zu ändern
in infiteretur (vgl. Anm. zu 27,3) —
32,2^ DPR per clam destina conuenticula. Destina ist offenbar
falsch und muls durch destinata ersetzt werden —
33. 6 ist eine in DPR in verschiedener Weise verderbte Stelle.
D afflictum me grauiter et lesum assererem claudicare. P a. m. g.
ficte asserens claudicare. R a. m. g. fictici eassererem claudicarem.
Ich schlage folgende Besserung vor: a. m. g. et lesum assererem et
claudicarem —
34,24 D de illecebri intellectu, R dillecebri intellectu. Auch
hier ist wie 22 , 18 (vgl. die Anm.) illecebrosus zu verwenden. Merk-
würdigerweise flektiert dort *illeceber nach der 2., hier nach der
3. Deklination —
34.34 DR Illias pena cognoscetis (R cognosceritis) statt richtig
penam —
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37
35*33 DR Tu uero . . . accepisti sollicitudinem sancti monas-
terij . . ., adeo quod natiua sui dispositione ad hoc potissime habilis
uidetur. Das Subjekt des Nebensatzes mit adeo quod kann m. E.
nur die angeredete Person sein, sodafs sui durch tui und uidetur
durch uideris zu ersetzen sind —
42, 17 DR sub tirannida seruitute. Ein Adjektiv tirannidus
gibts nicht. Schreibe daher tirannica —
44,13 D lubricitas „Schlüpfrigkeit“ pafst nicht, und R lugru-
brissitas, welches offenbar eine Ableitung von lugubris sein soll,
existiert nicht. Ich bessere nach Du Cange in lugubritas —
44, 21 DR flauento. Dieses Wort findet sich in keinem Lexikon.
Das in f dafür stehende devendayll bedeutet „Fächer“. Die Be-
deutung pafst sehr gut in den Zusammenhang und wird auch in
die Vita zu übertragen sein. Es liegt daher nahe, in flauentum,
ähnlich wie im Französischen und Italienischen, eine Imperativ-
bildung von fla „wehe“ und uentum „den Wind“ zu sehen. Doch
in der ganzen Vita kommt nicht eine ähnliche zweite Bildung
vor, sodafs ich es für besser halte, nach Mustern wie liga-
mentum, velamentum ein flamentum („Mittel zum Windmachen“)
anzusetzen —
44, 27 DR flauentum ist zu ändern in flamentum (vgl. Anm.
zu 44, 2! ) —
45, 1 9 DR anxiebatur bessere in anxiabatur (vgl. Anm. zu
45*22 und 23 DR flauentum ist nach Anm. zu 44,21 zu ändern
in flamentum —
Kap. 40 a (= Kap. XCVI in f): oppressis ipsum Arnaudum . . .
sors suprema statt richtig oppressit ... — Cur ploras et quam
spectas statt richtig quid spectas. f: Que queres el boscaje? —
Qui respondit. Da es sich jedoch um eine Frau handelt, ist Qui
durch Que zu ersetzen, f li lassa respont v Que respondit —
Kap. 41 a (= Kap. XCIX in f): a monte labitum grandis lapis.
Labitum ist ein Versehen für labitur. f: Uns gros anglars venc
daves Dina — Quod uxori sue existeret nunciatum. Hinter Quod
ist ein fehlendes cum einzuschieben — inuenerunt . . . Hugonem
oppressum requirentem. Requirentem ist unverständlich und zu
ersetzen durch querentem „klagend“, da f: van trobar . . . Hugo,
que soven si rancura —
Kap. 41b: corrigebatur . . . absque eius infamie lesione. Infamie
ist unverständlich und mit v zu bessern in fame — Que . . . monita
non suscepit pacienter, ut liberius posset . . . Vor ut ist zum
besseren Verständnis sed einzufügen — illecebrem uoluptatem.
Nach Anm. zu 22, 18 ist illecebrem zu bessern in illecebrosam —
Cumque dies festiuitatis . . . cebre coleretur. Cebre existiert nicht.
Ich ersetze es durch das schon 2i, 32 vorkommende celebre „feier-
lich“. (Nach Forcellini ist celebrus, a, um = celeber, is, e) — .
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3 «
mitis inductionibus statt richtig mitibus inductionibus — Cui . . .
excreuerunt . . . ungue et capilli. Ungue ersetze durch ungues
„Nägel“ —
Kap. 4 1 d : in dicto manasterio versehentlich statt monas-
terio —
Kap. 41 e (= Kap. CV in f): collabantes ein Schreibfehler für
collabentes — per dirupia fälschlich statt per derupta „durch die
Abgründe“ — requirentes ab illis causam erroris ist zu bessern
in . . . causam meroris „Ursache der Trauer“, da f: Que menas
tal dolor? — ennarrates versehentlich statt ennarrantes —
Kap. 41 f: aministrationem ein Schreibfehler für administrationem
— sumisse ein Schreibfehler für submisse —
Kap. 41 i: carpientes statt richtig carpentes. Carpientes offen-
bar entstanden durch Mischung von carpentes und capientes —
47, jj D Cumque mercator ex predictis discretione furoris tur-
bine careret, R C. m. e. p. dispertus f. t chateretur. D ist ganz
unklar. Ich schlage daher in Anlehnung an R die beiden Änderungen
vor: desperatus (statt discretione, dispertus) und caperetur (statt
careret, chateretur). Ich glaube wenigstens nicht, dafs dispertus
als Gegenteil von compertus mit der Bedeutung „da er (aus vor-
stehendem) nichts gelernt hatte“ stehen bleiben könnte —
47,33 DR eriperant ist zu ersetzen durch die grammatisch
richtige Form eripuerant —
Kap. 43 a: nuncipatur versehentlich statt nuncupatur — Qui
staret in promtu. Es fehlt cum vor staret — tumlarunt versehentlich
statt tumularunt —
Kap. 43 b (= Kap. CXII in f ) : dederunt eura principi Marro-
chini. Marrochinus ist, wie das Folgende zeigt, Adjektiv und be-
deutet „marokkanisch“. Es ist daher zu schreiben Marrochino. f:
le princes marroquins — dederunt eum principi Marrochino. Hierauf
sollte folgen, was der Fürst mit Dadauus machte. Das fehlt aber,
und zwar versehentlich, denn f und v bringen es. f: Lo fez major
de son palays. v: Dadanum (versehentlich statt Dadauum) con-
stituit domus sue prepositum. Demnach ist hinter Marrochino
einzufügen: qui eum constituit domus sue prepositum — redeptione
versehentlich statt redemptione —
48,7 DR creditor inuerendus. Inuerendus gibts nicht und ist
zu ersetzen durch inuerecundus. f: Uns mals deutors —
48,3g DR Cumque . . . inficeret ueritatem. Schreib infiteretur
(vgL Anm. zu 24, 30 ) —
49, 10 DR Vouis ist zu ersetzen durch Voues —
Kap. 46 a (= Kap. CXVI in f): antistes versehentlich statt
antistitem — Cumque antistitem sic diu diabolus deluisset.
Deluisset ist zu ersetzen durch doluisset „gequält hatte“ — tale
crimen . . ., quod coram Deo non erubui. Ergänze committere
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39
hinter quod! v: Maxime si illud coram oculis Domini perpe-
trare non timui — antistem ein Schreibfehler für antistitem
— ut te prepares pro meritis recepturum. Es fehlt das Objekt
zu recepturum. Ich ergänze daher gloriam sempitemam — et
uade asserci abbatem Porcarium. Es ist wohl am besten, hier
mit v zu schreiben uade et accersi „geh und suche auf!“ v:
Vade igitur et accersi sanctum abbatem — exigens consilium
et habitum. Nach dem Vorbild anderer Stellen füge ich mo-
nachalem zu habitum — Ipse uero statim tempore crebris ora-
tionibus . . . uacans . . . obdormiuit. Der Satz scheint unvoll-
ständig zu sein, wenn wir f und v damit vergleichen, f: Pueys
venc a Lerins dreyta via, . . . E si det granz afflictions, . . . Si qu’el
jorn e l’ora passet, Qu’el cors santz li denonciet, Als nobles ganz
de paradis. v: Ipse vero toto quod sibi fuerat tempore orationi
et penitentie vacans . . . Ich ergänze daher hinter statim: rediens
ad Lirinum et toto —
50,20 D nisi detegeris (R detegens). Detegeris ist durch die
grammatisch richtige Form detexeris zu ersetzen —
51,8 DR cum eorum clara sodali filiorum. Schreib sodalitate
statt sodali —
51,38 DR ex uera uite et inclita radicata ibidem. Es fehlt
offenbar arbore, welches hinter ibidem einzufügen ist. f (App.
Kap. IV, Vers 13 — 14): Bons albres fom aquest e de gran com-
pliment: Tant s’es enrazinatz e sas brancas estent.
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IL Hauptteil: Text.*
De uita et gestis sancti Honorati . 1
pag. i L Cum diabolus, pronus et sollicitus humani generis inimicus,
intrasset in cor Johannis Gauni et una cum Machometo mago per-
uertisset Affricam et occasum, ut prophana rabies aspiraret et per-
5 fida heresis suos funiculos fa|ceret longiores et multitudo seducta
gentem sibi attraheret grandiorem, Marsilius 2 , dux Spanorum 3 et
totius occasus, frater magni Aigolandi 4 , qui predictam seductionem
totis uiribus amplexatam faciebat per suos subditos et uicinos in-
uiolabiliter obseruari, ut secum ad interitum subduceret Leonem,
Constantinopolitatnum 5 imperatorem, Andriocho, fratri predicti im-
peratoris, regi Nichomedie 6 et culminis Cumanorum, Helemborch 7 ,
io speciosam soro|rem suam, tradidit in uxorem cum bellatorum multi-
tudine copiosa. Erat enim tune guerra ualida inter dictum impera-
torem et Budach, regem Turchorum. Quorum bellatorum strenuitate
dictus imperator uallatus, Nicheam, caput regni Turchorum, optinens
uiolenter obsidebat afflictam Ascaloniam, munitissimam ciuitatem.
Andriochus itaque, Helemborch 8 uxoris sue dolositate seductus,
facinorosam heresim suscipiens cum suis subditis repudiauit catholi-
15 cam unionem. Qui predictam Helemborch 0 | cognoscens filium
genuit ex eadem. Que cum puerum gestaret in utero, paululum
ante partum, dum dormiret, diluculo prospiciebat in uisu ex medio
uentris sui igneam columpnam mire 10 fulgoris procedere et pertingere
usque celum. Ex cuius fulgore radij progredientes ab uniuerso
1 Die Überschrift aus R , fehlt D — * P Marscilius — * P Yspa-
norum — 4 PR Aygolandi — 5 PR Constantinopolitanum — • PR Ni-
comedie — 1 PR Helenborch, v Elemborch — • PR Helenborch —
• PR Helenborch — 10 v miri
* Der folgende Text gibt, ev. durch Anmerkungen, ein getreues Bild der
Hs. D. Die fehlenden Wunder Kap. 40a, 41a — i, 43a — b, 46a sind aus
R entnommen. Die Zählung am Rande folgt der Hs. D und ist angegeben
in Abständen von je 5 Zeilen der Hs. Alle kursiv gedruckten Stellen sind
Änderungen und finden ihre Erklärung in dem Abschnitt „Textbesserungen“.
An Freiheiten erlaubte ich mir nur die, dafs ich den Gebrauch der groben
Anfangsbuchstaben sowie der Interpunktionszeichen unabhängig von dem zu-
fälligen Vorkommen in den Hss. regelte. Bei Angabe der Varianten habe ich
mich im allgemeinen auf das Nötigste beschränkt, nur von Eigennamen sind
jedesmal die abweichenden Lesarten der andern Hss., meist auch von v an-
gegeben.
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4i
occasu fugabant caliginem tenebrosam. Andriochus enim in obsidione
positus contra Turchos eadem hora dormiens prospiciebat in sompnis
uxorem suam parere lucidissimam flammam igneam, cuius | scintille 20
clarissime ab occasu fugabant erroneam seductionem. Expergefacti
itaque uterque parentum sompnium semotim interpretari per proui-
dos faciebant, quorum una et eadem interpretantium sentenda
promulgatur, quod ab Helemborch 1 proles succederet nascitura, que
sectam in occasu exortam de nouo penitus extirparet De cuius
prouentu tristabantur parentes, et quam uiderant uisionem et inter-
pretationem 2 illins alter ab altero occultabat. Formidabat itaque
mater plurimum, que uirum induxerat ad | errorem, ut, si hec 25
Andriochus presentiret, infantulum deperiret. Econuerso uir anxius
cogitabat, quod, si mater didisceret uisionem, filiura extingueret suam
progeniem consumptura. Qua de causa Andriochus treugam susci-
piens ab obsessis ad locum sollicite properauit, ubi Elemborch 3
morabatur. Cumque uera lux puerum uocaret ad lucem, cameraria
intimauit Andriocho uxorem suam fllium 4 peperisse. Qui gradu
concito properans deputauit puerum sub sincera custodia nutriendum,
ne genitrix | furiosa cognita uisione, quem genuerat, deperiret, quem 3 °
Andronichum appellauit. Crescebat itaque puer et erat omnibus
gratiosus. Cum uero Andronichus factus esset indolis placide
uenustatis, constituit eum genitor cum sodalibus palatinis, qui illum
more iuuenum ad lasciuiam et oblectationes seculi concitarent iocis
lubricis inuoluentes. Qui licet inter lasciuos persisteret hylaris et
iocosus, nunquam tarnen ad inmundiciam scelerum annuit inclinari.
Erat namque ante Nichomediam foresta re|galis lata et spatiosa ac 35
delectabilis ualde, diuersis fluminibus irrigata et ingentibus arboribus
fructuosis constipata, ubi Constantinus imperator 6 , pater Andriochi
regis, palacium construxerat mire pulcritudinis et amenitatis ingenio
Cumanorum», ubi sua festa et consilia celebrabat. Ibi enim cum
nutriretur puer, omni studio seruabatur a catholica nocione 7 . Quadam
igitur die dum Andronichus cum suis sodalibus sub una arbore
commederet in foresta, superueniens quidam iuuenis christianus
a|more Ihesu 8 , regis paradisi, elemosinam postulauit. Andronichus pag. 2
uero extimans nominatum regem paradisi amicum patris sui precepit
liberaliter dicto iuueni necessaria ministrare. Erat enim tanta et
tarn benigna liberalitate dotatus, quod etiam illa, que solent animos
puerorum illascire, indifferenter indigentibus prodigaliter offerebat.
Ad palacium autem Andronicho remeante, eum Elem|broch 8 leta 5
suscipiens petebat ab eo 10 , que uiderat in foresta. Cui puer inter
alia dixit, quod quendam uiderat de familia Ihesu Christi, regis
paradisi, petens ab ea, si ille Ihesus Christus attineret 11 patri suo
1 PR Helenborch, v Elemborch oder Elenborch (ist wegen der vor-
handenen Abkürzung nicht genaa zu ersehen) — 1 D versehentlich inter-
pretatiotionem , wovon das erste tio durch Interpunktion wieder beseitigt
wurde — 8 PR Helenborch — 4 PR puerum — 6 imperator in D am
Rand — • P Romanorum — 7 D noscione, dann s durch einen Punkt
ungültig gemacht — 9 RPv Ihesu Christi, f per Ihesuchrist — 9 PR Helen-
borch — 19 in PR fehlt ab eo — 11 Pv attingeret, R atingeret
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aut inimicus existeret uel amicus. Quod audiens mater acuto dolore
percussa paululum lacrimando, ne iuuenis terreretur, ait: „Fili mi 1 ,
non est nec uiuit nec fuit ille Ihesus Christus rex, sed fuit quidam
maleficus, qui fuit propter sua maleficia crucifixus, et omnes illi,
io qui illum male|ficum colunt, sunt leprosi, putridi et infecti, et non
possunt sanari, nisi unguantur sanguine nobilium puerorum, et
uocantur christiani, et sunt homines blandi, pauperes, miseri, stisur-
rones et fictores, oculos extenninantes et uultum, ut appareant circum-
specti.“ Exinde igitur curauit mater sollicite, ne agnosceret christia-
num nec eorum monita uel doctrinam.
IL Cumque inualesceret rabies seductorum, exterminabatur
ecclesia occidentis, et trucidabantur | immaniter christiani, et cum
nullum preter Deum suffragium sperarent, cum non esset, qui pro
eis se exponeret defensorem, inumentes se lacrimis et suspirijs trade-
bant se seditioni furenti non miseranti eorum conditioni, sexui uel
etati. Cum uero languor ingrauesceret et tabesceret ecclesia uni-
uersa, misertus Dominus populo suo apparuit sanctis Caprasio,
Maguncio 2 et Leoncio 3 , qui philosophie auctubus et culminibus
derelictis uitam degebant heremiticam in Miridona 4 insula maris
20 Creti, precipiens eis, ut | ad regalem forestam Nichomedie accederent
et filium regis Nichomedie instruerent catbolicis documentis, adiciens
per eundem extirpandam fore Agarenicam 5 fictionem. Accedentes
itaque ad dictam forestam hij sanctissimi heremite, in eius arta
solitudine occulti per multa tempora perstiterunt Deum assidue
exorantes, ut misereri dignaretur ecclesie occidentis. Cum igitur
placuit Conditori® hunc purum puerum aduocare, induxit eum cum
25 suis sodalibus progredi ad uenandum. Qui cum siluam [ feris
comodam perlustrassent , uenatores ceruum cum canibus insultantes
fugientem rabide subsequuntur, quem Andronichus uelocius seque-
batur. Fatigatis attamen socijs a discursu ceruum Andronichus
sequitur animose. Cumque ceruus fugiendo uelociter se diuerteret 7
per semitam latebrosam, eum Andronichus estimans inter asperam
congeriem carceratum, ex equo descendens protinus euaginato gladio
ceruum per semitam sequebatur. Cumque paululum per semitam
30 processisset, | prospexit eminus in ipsius horrende uastitatis solitudine
quamdam criptam, a qua proueniebant ei obuiam tres uiri candidi
sicut lana. Quos cernens subito infantulus delicatus coopertos in-
compta canicie et habitu resarcito uilibus coniuncturis expauit et
contremuit uehementer, ac eos fantasma estimans cepit flebiliter
exclamare. Tabescebat uero eius Spiritus ab insolita uisione, priuatus
suffragio sociorum et formidando in ipsa latebrosa solitudine interire,
35 non 8 ualebat fugere uiri|bus destitutus. Cumque illum exterritum
1 so Dv, PR dagegen nur Fili — * R Maguntio — 8 R Leontio —
4 ob Miridona in DPR ein Eigenname? f schreibt: en un isla plaaent, sodafs
man konjizieren möchte: mire bona insula statt Miridona insula. v: in quadam
maris insula. k (nach Bruce- Whyte, 1. c.) : en Miridona ylla de mar. — • PR
Agarenicham — 8 so PR, D fälschlich Creatori uel Conditori (Randglosse!) —
T PR fälschlich dirneret bezw. dirrueret — 8 PR et non
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agnosceret Caprasius uenerandus, confortabat eum blandicijs et
sermonibus raansuetis dicens: „Non expauescas, fili, procedere ad
salutem! Triennio enim expectauimus tnura desideratnm aduentum.
Tuis enim meritis fugari debet ab occasu heresis pululata.“ Quanto
igitur eum uenerandus senex sermonibus blandiebatur ad illum pro-
cedens lento gradu, tanto maiori percutiebatur terrore. Cumque
flentem et anxie ululantem multis sacris et placabilibus sermonibus
paulu|lum complacasset, ei se hominem uerum exhibens longeuo pag. 3
senio conquassatum, ceruus, quem fuerat prosecutus, proueniens
mansuete procubuit ante ipsum. Cuius modestia recreatus posuit
ceruo manum timide super caput, a seniore postulans, quotis tem-
poribus nutriuerat dictum ceruum. Venerabilis uero Caprasius respon-
dit iuueni complacato hunc ceruum et cuncta animalia creata et
nutrita fore a suo | Domino, qui mundum et cuncta creauerat uni- 5
uersa, et ob honorem Domini sui sibi omnia animalia obediebant
et cunctis suis fidelibus obedirent. Prospiciens igitur iuuenis ipsos
heremitas statura prolixos, etate longeuos, proceres 1 , eloquentes,
mansuetos et rationabiles uiros post multa eloquia dixit eis: „Quis
est iste uester Dominus, cui seruitis in tarn horrendis latebris lati-
tando, qui tarn incultis uestibus uix contegit carnes uestras, uos
fame macerans, ut exhibent uestri uultus humati, fu|nesti l , macillencia 10
cum pallore et curuata uestra corporalis fragilitas pre languore? Si
merito uos atterit graue, quid commisistis? Et si frustra uos diri-
mit, nimiura est crudelis. Sed si sub spe mercedis seruitis huic
Domino et uos ita decrepitos extrema dies rapiat, spem umbra
exterminat, que uos tenet implicitos ocio et languore.“ Cui beatus
Caprasius: „Ille meus Dominus, cuius est hec foresta, feras ibidem
nutriens, quas tu sepe uenaris, te secum habere desiderans permisit | 15
te ad capiendum sua animalia tociens prouenire, usque quo tibi
rationabili irrationabilia penitus exhibeant magnificenciam Creatoris.“
Cui iuuenis: „Cognoscit igitur hunc tuum Dominum meus pater?
Et amicatur eidem? Et quod est nomen eius? Et ubi habitat?
Die mihi concite, ut properans patri meo intimem, que proponis!“
Cui beatus Caprasius ait: „Ille meus Dominus, de quo loquor tibi,
est creator celi et terre, qui cuncta sub sua continet potestate.“
Et incipiens ab inicio seculi eidem todus uniuersalis machine
euangeli|zauit condimentum et creationem hominis et ruinam et 20
mansuetudinem Ihesu Christi et penas perpetuas peccatorum et
iustorum gloriam sempitemam. Diuino namque munimine uerbis
huiusce modi illustratus iuuenis animosus cuncta, in quibus ceca
fragilitas naturalis dubitare consueuerat, distincte opponens sancto
Caprasio agnouit ex omnibus lucide ueritatem. Andronichus itaque
factus ex pauido animosus, commutans gaudium ex merore sollicite
ptrcunctabatur ad patrem suum | quantocite properare, quod inuenerat 25
et agnouerat, relaturus, ut una cum illo sacri fonte baptismatis
* so PR, D schreibt proceros, was schon durch statura prolixos gesagt
ist — * PR fälschlich funestri
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tingerentur et efficerentur famuli Ihesu Christi. Beatus üero Caprasius
prospiciens iuuenem celerem ad regressum precepit ceruo, ut eum
ad suos equum et socios dirigeret, qui illum per siluam flebiliter
requirebant. Cui dixit iuuenis: „Quomodo hic ceruus, cum sit
brutum animal, me dirigere poterit ad meos socios et locum, ubi
30 sunt, quos ignorat, qui, ut asseris, per diuersas nemoris semitas |
me requirunt?“ Cui beatus Caprasius: „Non hesites, fili mi, quia
non ceruus, sed diuina uirtus, qua impero ipsi ceruo, te diriget et
reducot, et tibi, cum baptizatus fueris, eadem uirtute obediet sicut
et 1 michi, et multa maiora, quam ista sunt, per te operabitur uirtus
Christi.“ Cupiens igitur iuuenis uidere, qualiter dirigeret eum ceruus,
uale prebens humiliter a singulari quolibet heremita suppliciter meruit 2 *
benedici. Post ceruum sequens concite congeriem pertransiuit Cum-
35 que ad locum, ubi equum dimiserat, | deuenisset et equum cerneret
lasciuire uinculis absolutum et diffideret de eius captione, ceruus
caute prosiliens habenis equi sua cornua laqueauit et sic equum
compulit sistere furientem. Andronichus ex prouisu letissimus equum
capiens ascendit et ceruum per plana conuallia sequebatur admirans,
summo gaudio percussus. Cumque uenisset in extremitatibus dicte
silue, audiuit uoces et planctus clamancium cum tumultu. Properans
pag. 4 igitur Andronichus celeriter ad clamores, cum | paululum pertransisset,
agnouit suos socios lamentantes, quibus occurrit hilariter ceruo prece-
dente. Leti itaque socij ex euentu ab Andronicho requirebant, ubi
ceruum domesticum inuenisset 5 . Et cum ceruum proponerent at-
tractare, uersus siluam insiliens ab ipsorum intuitu est sublatus.
III. Predictus uero Andronichus 4 ad patrem suum properans
5 sollicite conabatur tamquam preciosum | thesaurum talentum sibi
creditum reuelare. Et in secreciori triclinio conuocans genitorem
letissimus, que agnouerat, referebat. Audiens igitur leti filij monita
tristis pater, rememorans, quam ante dicti Andronichi ortum uiderat
uisionem, infremuit uehementer et, tamquam dire amaritudinis iaculo
uulneratus, frendenter insaniens scidit e pectore firmas uestes et
comptos crines deformat ac crudeles fiidit querelas furiosis motibus
10 se ducendo. Exterritus iuue|nis patrem prospiciens insanire contre-
muit uehementer et ad patris genua prouolutus offenso supplicat,
precatur ueniam de commissis, peccanti inscio indulgere implorat
patemam pietatem, penam reatus poposcit patris dolorem mitibus
precibus liniendo. Cumque pater filium afficeret questibus atque
probris, rumor insonuit palatinos, undique sonat murmur. Defertur
ad Helembroch 5 noue acerbitatis exterminium opinatum. Que sur-
gens celere properauit ad regem et hostium triclinij diserte per-
15 cutiens 6 | dilaqueat serraturam et inter lugentes a cunctis causam
meroris exposcit Palliat pater euentum, incultam inserit fictionem
1 Dv et, fehlt PR — * PR obtinuit — 8 D inuenissent, das letzte
n ungültig gemacht — 4 R Andronicus — 8 P Helenborch, R Helen-
boch, v Elemborch oder Elenborch — • D versehentlich pcutiens —
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et causam matri nititur occultare. Helembroch 1 * igitur importuna
experta dolis muliebribus instat et scire satagit opinatum. Deuin-
citur itaque Andriochus blandis fictionibus mulieris et reserat sibi
sui et suorum exterminium et rninarn. Audiens autem Helem-
broch 1 precipicium sue legis et gentis fatalibus prefiguratum, pro-
silijt furiens crudeliter sauciata et pallet misera et uenustus co|lor 20
recedit a uultu et leuatas ad sidera spansas 3 manus dilacerat
comptos crines et prosternit capitis ornamentum ac uestes diffim-
briat preciosas atque infestis unguibus decorum uultum deformat
dissecans manus et pectus nec sufferre ualet ulterius sortem supre-
mam: nimijs euicta doloribus in suos uultus letaliter corruens ante
regem, uertice pulsans humum, constricta exauctis doloribus mixtam
cum sanguine uomit uitam. Andronichus uero suam mori prospi-
ciens | genitricem, uersantem oculos, per os et nares proflue san- 25
guinem euomentem, dira amaritudine precordialissime uulneratus,
exinanitus uiribus, semiuiuus corruit super terram. Cumque An-
driochus cemeret matrem et filium interire, furibundis uocibus
eiulans 4 non se poterat continere. Audientes autem uoces lugu-
br$s palatini currunt ad triclinium et erigentes prostrata corpora,
Helembroch 5 mortuam et Andronichum semiuiuum cognoscentes
exclamant et ululant ac distractis crinibus | dilacerant sertas uestes. 30
Cumque foret prenuncio murmure ciuibus intimatum, extollitur
plangentium ualidus clamor, impletur flebilibus clamoribus ether.
Tota namque Nichomedia® resonat mesto planctu. Decuriones
namque et prepositi tristes nimio dolore regine sollempnes exequias
procurantes curant omni Studio reficere semiuiuum. Cum uero
Andronichus conualuisset et sciret interitum sue matris, planxit
eam multis diurnis fletibus, ululatibus et singultu nec ualebat ullius | 35
solacio consolari, sed super extinctum corpus prostratus crudeles
questus fundebat cruentam faciem osculando.
IV. Postquam namque corpus Helembroch 7 fuit traditum se-
pulture et planctus et lacrime cessauerunt, aduocans rex Andro-
nichum cum gemitibus et suspirijs eum nititur resilire a catholica
firmitate dicens ei: „Vide, fili mi, quid fecisti! Ecce iam ex sola
conceptione huius fallacis seductionis tuam matrem, totius seculi
ornamentum et uite mee solacium et regnorum meorum consilium,
peremisti! | Et si ulterius progrediaris, me, tuum patrem miserum, pag. 5
languide consummabis, qui te tarn care nutriui, tarn solerti Studio
docui et seruaui, tantis honoribus et diuicijs sublimaui, qui etiam
tibi tarn preciosa et magnifica acquisiui. Cur insanis, fili mi? Quo
furore aut maligno spiritu agitaris, ut tarn indoctus iuuenis ad legem,
quam ego et tu ignoramus, propona» accedere | et hominem male- 5
ficum et suis maleficijs crucifixum asseras Creatorem? Considera,
fili mi, magnificenciam, eternitatem, immensitatem, impassibilitatem,
1 PR Helenborch — a PR Helenborch — 1 PR plantas — 4 P ulu-
lans, R eululans — * PR Helenborch — • PR Nicomedia — 7 P
Helenborch, R Helenboch
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perfeccionem et stabilitatem Creatoris et uilitatem, mensitatem,
passibilitatem et exterminationem cuiuslibet creature et discon-
uenienciam Creatoris ad creaturam! Si igitur Deus a creatura
nisi mentaliter queat uideri, palpari seu contineri et in Deo non
cadat alteratio, diminutio, addicio uel augmentum, quomodo illa
io pura, prima, sola, ple|na et perfecta essencia, que cuncta creauit
de nichilo, ea, que de sui natura non sunt nec fuerunt nec esse
possunt, secum ualuit adunire, que a Deo noscuntur in omnibus
conditionibus et proprietatibus discrepare? Licet igitur Deus sit
omnipotens in uniuerso, nequit tarnen suam essenciam immutare,
minuere uel augmentare, sed qualis fuit ante inicium, semper et
continuo talis erit. Potes ergo perpendere euidenter, quod Deus
in lhesu crucifixo non fuit, quia sic existeret Deus in eo contentus
15 atque | mensus, nec dictus Ihesus in Deo, quia persisteret glori-
ficatus, impassibilis et immensus, quia, si secum propter suam boni-
tatem Deus uniret hominem incomprehensibili opere adunando l ,
inseparabiliter et incommutabiliter propter sui perfeccionem uniretur
et transubstanciaretur totaliter in diuinum persistens impermutabile
et impassibile coniunctum 2 . Et sic aperte potes cognoscere, quod
in Deo non fuit Ihesus nec Deus in eo, quia tune* non posset
mori propter inseparabilem et immutabilem unionem et transub-
20 stanciatam naturam in diuinum mor|tis uinculo absolutum morte
turpissima uel alia, qua una cum suis discipulis noscitur merito
deperisse. Attende preterea, fili, insaniam christianam et inopina-
bilis credulitatis et cecitatis errorem et contrariam omni naturali
opinioni, sensui et etiam rationi doctrinam\ Asserunt christiani
stulti et dementes contra magnificenciam , maiestatem et essenciam
Creatoris assumptum Ihesum uerum hominem in diuinum suis dis-
cipulis edixisse, quod esset iudicandus 4 ad mortem, ut sui erroris
25 sequaces deluderet moriendo, antequam, ut con|tigit, pateretur se
resurrecturum, et in forma panis et uini eis appareret post mortem
et perpetuo cum ipsis usque ad finem seculi permaneret. Si hec
uera sunt et habilia ad credendum, discrecio sensuum et ratio
manifestant. Nam actualiter panem conficiunt ex aqua propor-
tionaliter et farina et confectum decoquunt, decoctum offerunt
secundum ceremonias christianas, oblatum frangunt et diuidunt, in
eo nec uitam nec motum nec transmutationem propter hoc cognos-
30 centes, sed solum panem, quem confecerant; pertrac|tantes secun-
dum ritum eorum in fractura, tactu, odoratu, uisu et gustu panem
illum in nichilo immutatum transgluciunt et in corporalia transub-
stanciant sicut cibum. Si igitur omne rationabile, quodeumque
perficit, rationabiliter nititur perpetrare, preter quod aliud non con-
uenit operari, quomodo et quare Deus, in quo est uera sapiencia
infallibilis , per quam cuncta perfecte creantur, uera ratio perfecti-
bilis, per quam omnia ordinantur, uera essencia indefectibilis, per
1 PR admirando — * P cognitum, R counitum — 8 tune fehlt PR
und scheint auch in D leicht durchstrichen zu sein — 4 PR cum esset
iudicatus
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quam omnia persistunt perfecte condita, preter rationem et contra
naturam | prouide factam tarn irrationabile et ad credendum de- 35
testabile et omnino erroneum indixisset, potissime cum nil adeo
appareat euidenter obsistere rationi, uisui et nature, sicut ut existat
panis mortuus Deus uiuus! Preterea prospice, fili, superos regni
mei prouidos sapientes, quam legem excolunt et fauent! Prospice
Marsilium 1 principem et Aygolandum, reges peritissimos, auunculos
tuos, qui te tot preciosis muneribus honorarunt, quam legem ser-
uant et sub quanta fictione et fallacia fidem reputant | christianam! pag. 6
Certe, carissime fili, cum omnes optemus salutem, sequeremur fidem
catholicam, si eam cognosceremus utique meliorem. Quare rogo,
ut imbecillitas non te seducat nec ruditas iuuenilis nec seductio
alicuius nec tuo sensu ducaris, sed ab hac fallaci ymaginatione
penitus resipiscas et non credas mortalibus aliam gloriam quam
presentem, cum, sicut prospicis, omnes morimur et | neminem 5
sapientem uel fatuum, probum uel improbum, pulchrum uel turpem,
senem uel iuuenem, pauperem uel diuitem, iustum uel quantum-
cumque nepharium peccatorem cognouimus resurgentem ab inicio
seculi usque presens. Nec te paciaris seduci fallacijs scripturarum
christianorum , que ad placita sunt scripte ! Et auctores earum
fuerunt ydiote, simplices rustici rusticana exercere opera consueti,
qui, ut ymaginarunt fallaciter, conscripserunt et tradita suis con-
similibus, fantasticis ydiotis, pueris fallacibus, | feminabus* homini- 10
bus, pauperibus et insensatis, carentibus iudicio rationis, ut ab eis,
que habebant, subriperent et locupletarentur facultatibus eorundem
et inde eorum uita omnino inutilis sustentaretur; per secula semi-
narunt promittentes reddere centuplum ex merito umbre mortis.
Preterea prospice, fili, uitam et actus christianorum, sub quanta
miseria consumuntur, et fraudati, miseri, inani spe et fallaci fiducia
futurorum cunctis diebus suis funcstam uitam ferentes uite gaudia
abdicant, continuo | lugubres et egentes amittunt gloriam huius lucis 15
et suscipiunt tenebras sempiternas! Tu uero, fili carissime, potire
gaudia huius uite, ut uiuendo gaudeas in longinquitate dierum et
fruaris honoribus et delicijs preparatis et existas inter huius mundi
principes gloriosus! Ecce iam, ut nosti, formosior puella imperij
Romanorum, Rosamunda, filia Arnulphi, regis Longobardorum , te
in uirum per frequentes nuncios et Titela 3 , eiusdem regis filius,
sororem tuam Constanciam in uxorem caris precibus | interpellunt! ao
Nam et Leo, imperator Constantinopolitanus, unicus frater meus,
cum careat liberis, te solempniter coram suis principibus in filium
adoptauit. Ecce iam oculi totius tue longeue progeniei in te
respiciunt et nullam aliam preter te sperant habere salutem! Si
uero tui precantis patris non flecteris precibus nec opibus prepa-
ratis, in me saltim nunc seuias, et tue matris funera comitabo.“
Andronichus igitur ferens patris monita reuerenter, ne in opposi-
1 P Masilium — 2 feminabus in DPR; die Bedeutung ist offenbar
„weibisch“; vielleicht zu ersetzen durch feminalibus — * P Tutela
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4 8
25 tionibus, que patemis proposicio|nibus lucide obsistebant, Andri-
ochum concitaret, persistebat tacitus, lacrimis et singultibus plangens
matrem. Quanto plus matris interitum plangendo 1 meditabatur,
tanto plus diuino iudicio pauefactus, hanc uitam despiciens alteram
beatam atque perpetuam preponebat, ad quam sinceriter anhelabat.
Sed uerus Dei emulus nec matris excidio concutitur nec patris
promissis aut precibus commutatur. Cognoscens uero Andriochus
30 filij propositum immutatum uehementissime tristabatur et curiosa |
sollicitudine parabat blanda oblectabilia, quibus posset Andronicho
obuiare, et coustituit eum cum lubrico et lasciuo collegio puerorum,
ut illum pompis 2 , ludis, iubricitatibus et uoluptatibus laquearent.
Preterea Constancia 3 , soror Andronichi, monitis patris inducta eum
cuoctis blandicijs, iocis, Iubricitatibus et puellarum saltibus, osculis
et amplexibus et cunctis uanis actibus totis uiribus oblectabat. Sed
cautus Dei famulus et lubricitates uitare et patri cupiens complacere,
35 ut liberius posset | uota sua reddere Ihesu Christo et secedere ad
optata, actibus egregijs muniens culmina mentis, iocosus cum
iocantibus, ridens, cantans et hylaris ad ludos cunctos incitans
mirifice letabatur et oblitam monstrabat penitus, quam gerebat in
uisceribus catholicam firmitatem. Cautus namque cathecuminus,
quautumcumque coram hominibus se letum demonstraret, sollicite
perquirebat captare tempora oportuna, ut ad Caprasium accederet
pag. 7 baptizandus et repulsis parentum scemate et inani gloria mundi |
ac tocius seculi dignitatibus totus in Dei seruicio censeretur.
Agnouit igitur filij propositum cautus pater et direxit satellites 4 ,
ut interficerent heremitas. Sed apparens Caprasio, dum offerret
sacrificium, Dominus Ihesus Christus rem sibi indicans precepit, ut
ad ciuitatem Heroclee 5 accederent, ubi nauem paratam inuenirent,
que illum et suos socios et Andronichum cum Germano, fratre
5 suo, in Ytaliam transportaret Consurgens | illico Caprasius cum
suis socijs complebat sollicite iussionem. Andriochus autem cupiens
filium impedire, ne baptismi lauacro tingeretur, clam uocauit Ger-
manum, fratrem Andronichi, uirum utique lubricum et iocundum,
oblectatum aptissime actibus mundanorum et ad transibilia circum-
spectum, et patefecit sibi sui animi amaritudinem et insaniam fratris
sui et tocius regni, legis et generis obprobrium sempiternum, in-
ducens eum precibus et promissis, ut uiriliter conaretur Andro-
10 nichum® reuocare | a fallaci conceptione catholice fictionis. Ger-
manus uero audiens, que sibi pater patefecerat, obstupuit et instand
vigilia meditabatur, qualiter posset a tanto obprobrio resumere se
et fratrem.
V. Andronichus interim suum corpusculum macerans die ac
nocte Dominum sollicite precabatur, ut, quod proposuerat, adim-
pleret et sibi succurreret inconsulto. Et ecce 7 repente astitit iuxta
1 plangendo fehlt in PRv, auch f hat nichts Entsprechendes — * PR
potis — • R Constantia — 4 PR satellites furiosos — 5 P Herodee —
• P Andronicum — 7 ecce in Dv, fehlt PR
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I
49
eum Dominus Ihesus Christüs, sollicitus consolator, in splendore
corusce lncis cum multitudine angelorum et ait | suo sincero tyroni : 15
„Ecce iam te cum tuo germano 1 redpio in collegium electorum
meorum, quos non minus comitaberis consortio quam uirtute.“
Stupens igitur iuuenis uisione diuina ante Deum in suam faciem
corruit pre terrore et constematus faciem non ualebat 2 erigere, ut
aspiceret Dominum Ihesum Christum, sed adorans eum dicebat
submissa uoce cum lacrimis et tremore: „Gratias tibi ago, Domine,
qui non meis meritis, sed sola benignitate tua me immeritum in
tuörum collegio assumpsisti. Non me | obliuiscaris nec permittas 20
concuti seductionibus patris mei improuide furientis, sed tue uirtu-
tis indeficiens dextera me semper protegat et defendat et ad
sanctum Caprasium me perducat, ut uitam meam instruat spiri-
tualibus disciplinis ac me perficiat celestibus regnis dignum!“
Dominus autem Ihesus Christus benedicens Andronichum ab eius
aspectibus est sublatus. Refectus itaque uberime Andronichus
refeccione diuina, transit illico uigor eius in uirtute Spiritus et
efficitur 3 totus alacer 4 . Ger|manus uero dissimulans caute, que 25
patefecerat sibi pater, horam captans ad Colloquium aptiorem,
seorsum ducens Andronichum dixit ei: „Vidi patrem nostrum ali-
quotiens contra te prouocatum et occasione diligenter quesita nun-
quam scire potui, cur hoc esset, et, si tua cara fraternitas non
contristaretur et tibi placeret, optarem plurimum scire causam.“
Andronichus itaque paulisper tacitus meditando, que Dominus sibi
promiserat de Germano, mentem et oculos ad celum | erigens sus- 30
pirabat, concitando Dominum celere ad promissa. Cumque Ger-
manus responsionem Andronichi expectans intente aspiceret uultum
eius, utrosque claritas circumfulsit et uox Dei dissonuit super eos:
„Venite, benedicti patris mei, acquirite regnum meum uobis a
mundi origine preparatum!“ Stupefacti itaque iuuenes ex prouisu
sese attonitos ambientes corruerunt super humum et discessit clari-
tas ab eisdem. Et post paululum resumptis uiribus cum resurre-
xissent a terra | et prospicientes circiter nullum cemerent preter 35
eos, dixit Germanus Andronicho cum terrore: „Indica michi, frater
carissime, quid hoc fuit, et iube, que 5 uolueris me facturum, quia,
quos una caro genuit, non separabit affectus!“ Andronichus ita-
que distincte Germano merorem indicans patris sui ei suum since-
rum propositum intimauit et que sibi promiserat Dominus Ihesus
Christus et misterium uocis, que sonuerat, et etiam claritatis. Ger-
manus itaque affectuose suscipiens, que diserte | sibi exposuerat pag. 8
suus 6 frater, diuino numine illustratus asserit credere, que pro-
ponit, et uelle accedere ad baptismum 7 et gloriam 8 mundi relin-
1 germano ist hier wohl kaum als Eigenname aufzufassen; f: Ay appa-
reyllat gauch a tu et a ton frayre — 8 PR audebat, v ausus, f ausava —
* D versehentlich efficiter — 4 vielleicht ist statt alacer besser mit PR alter
zu schreiben. Die Stelle ist offenbar von dem Sermo Hilarii beeinflufst; dieser
schreibt fit plena gravitatis (vgl. oben S. 28) — 5 PR iube in omnibus que und
ähnlich auch vf — • D versehentlich suu — 7 ad baptismum fehlt D, ist
aber doch wohl aus PR zu ergänzen — 8 D versehentlich gloria
4
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50
quere et seruire Domino lhesu Christo. Concipiunt itaque hij duo
cathecumini sincero animo paritura et erant eorum assidua secreta
colloquia, per quem modum celerius accederent ad baptismum, ut
5 renati fonte baptismatis una foret inter eos fides mencium et pietas |
actionum, meditantes sedule actiones, per quas placerent Domino
lhesu Christo, necessaria offerentes indigentibus, uisitantes infirmos,
carceratos et captiuos libere absoluentes.
VI. Cumque tanta luminaria nequirent inter nebulam occultari,
claruit uniuersis hos duos regales geminos uelle procedere ad baptis-
mum, quos dire amaritudinis acerbitate percussi uelut mortuos
prelugebant. Cognoscens itaque Andriochus propositum filiorum
I0 uehementissime | tristabatur, tamquam orbatus filijs lamentando. Et
percunctans caute, per quem modum eos ab eorum proposito
deuiaret, elegit nobilium comitiuam ornatam cunctis uanitatibus, et
Andronichum cum Germano accelerat destinare imperatori Con-
stantinopolitano, qui Andronichum 1 tamquam adoptatum nutrire
plurimum affectabat et imperialibus moribus informare — in palacio
enim dicti imperatoris omne oblectamentum seculi colebatur — , ut
15 saltim propter locorum distanciam et temporum interualla et de|lecta-
bilem mundi gloriam et honores multiplices et imperialem beni-
uolenciam oblectati 2 , asperas abstinencias et difficiles oppiniones
rationi et uisuj 3 contrarias christianorum per delectationum assue-
tudines 4 dissuasi et curam prohibencium et incommoditatem bapti-
zancium ab affectione, quam conceperant, resilirent. Paratis igitur
cunctis necessitatibus et susceptis patris monitis et doctrinis gau-
20 dentes arri|piunt hij duo gemini iter suum preduce Horion cum
Cumanis. Cumque per diurna tempora ad Constantinopolim pro-
perantes ad ciuitatem Heroclee 5 deuenissent et ibi Horion propter
loci amenitatem diebus aliquot dictos cathecuminos proponeret
recreari, hij gemini causa uitandi fastidium cum aliquibus dicte
ciuitatis adolescentibus eorum etati conuenientibus maris litora
perlustrantes Caprasium cum suis socijs in maris litore prospe-
xerunt. Andronichus uero eos cognoscens est similiter agnitus ab
eisdem, et caute eos exhibens fratri suo meditabatur sapienter, per
aj . quem modum cum Caprasio loqueretur. Quod 6 | cognoscentes
diuino intuitu heremite se ad uicinum nemusculum transtulerunt.
Predicti itaque iuuenes dissimulantes se, ac si uellent alleuiare
naturam, semotim discedentes a socijs inter fructecta nemoris adeunt
heremitas. Sanctus uero Caprasius geminos benedicens sub breui
eloquio ordinauit cum eis, ut surgentes diluculo properarent ad
nauem eis diuino munimine 7 ordinatam. Nocte igitur succedente
dictorum cathecuminum 8 a crapula et ebrietate rite socijs circum-
1 P Andronicum — 2 DR versehentlich ablectati — 8 D schreibt
usui, doch halle ich PR uisuj für richtiger, wenn ich damit vergleiche 5 l2a
sensui und 30, 18 uisui — 4 D versehentlich assutudines — 5 PR Aroclee —
8 so PR, D Quos pafst nicht infolge des vorhergehenden est agnitus ab
eisdem — 7 PR munere — 8 so PR, D dicti cathecumini, aber vor dicti
ein durchstrichenes dictorum
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5t
ceptis solijto clarius uniuersitate siderum prefulgente consurgunt 30
timide uterini, et lente reuectis hospicij serraturis relinquentes libere
regnum et imperium eis preparatum et tocius mundi faustum et
gloriam uanam ac delectabilem patriam pariter et parentes se
tradunt pauperes obsequio Ihesu Christi, nil secum penitus preter
preciosas uestes arabicas actibus barbarorum confectas, quas ferre
consueuerant in sollempnitatibus, et alias paucas, ex quibus possent
heremitas contegere, deportantes. Ad | mare igitur properantes 35
mitissimi innocentes in Christi nomine presignati ascendunt nauem
et diuina gratia suffragante post tempus modicum equissima aura
flante in Achaiam 1 deuenerunt, ubi per multos dies, serpente diabolo
contrario bonitate turbante mare congeriosum et angusta promunc-
toria Achaie 2 regionis, impellente poplice uentorum turbines cum
tumultu ac fluctus pariter et procellas, persistunt attoniti nauigantes,
et pre terrore fulgurum, repentinis et ingentibus tonitruis | et pag. 9
choruscationibus et uehementi impetu pluuiarum atque maris mur-
mure gemebundi, commotis insuper aereorum uirtutibus 3 tenebrosis
de salute penitus desperati submisso uelo exponunt se periculis et
fortune. Sed uiri Dei secedentes ad puppim humilimis precibus
excitant Saluatorem, ut mari imperet atque uentis. Qui celere con-
cedens eisdem tranquillitatem congruam postu|latam, post dies ali- 5
quot uento placido succedente applicuerunt ad litora Reuennata 4 .
luuenes uero interim fundati solide pacienter portabant maris, uen-
torum et tempestatum angustias et suorum corporum cruciatus.
Sed inuidie filius et promptissimus propugnator&, qui moleste pati-
tur concrescere seruos Dei, iuuenes saucians uenenose fallaciter eis
exhibuit sompniando pre dolore, ut contigit patrem eorum Andri-
ochum interire et Thurchos 6 propter carenciam principis extermi| 10
nare suam patriam et captiuare sororem, ut resilirent a proposito
et succurrerent captiue sue patrie et sorori. Cumque uiri Dei suam
sarcinolam eduxissent e naui, euigilans beatus Caprasius iuuenes
perduxit ad terram. Iuuenes itaque cum ignotis in terra positi
aliena, illuc et istuc prospicientes paululum indiserte, compuncti
diabolico nocumento, quod in sompnis uiderant, meditantes, con-
fracti penitudine nimio se adinuicem ambiebant amplexibus lacri-
mando, et | quisque plangens lugubre asserebat suum congenitum 15
decepisse. Cumque iuuenes compuncti nequiter persisterent nouis
lubricitatibus et captiosis seductionibus, sub anfractu, per quas
partes recederent et redirent ad Nichomediam 7 , ordinantes, prospi-
ciunt despecte tetricis uultibus insitos heremitas; et abhominantes
facies eorum, uitam, habitus et personas et se seductos reputantes
uilibus collecturis contempiiose et insospite a Dei famulis discesserunt
progredientes per litora ad Rauennam 8 , ut uenundatis uestibus, | 20
quas ferebant, earum precio ductorem conducerent usque ad patriam
1 PR Acayam — 8 P Acaye, R Acayce — • so PR, D insultibus
pa&t weniger gut — 4 so PR, D versehentlich Kauennata — • PR pro-
pagator — • PR Turchos — 7 PR Nicomediam — 8 P Reuenam,
R Reuennam
4 *
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5 *
Cumanorum. Sanctus uero Caprasius prospiciens iuuenes lacrimari
plangentes et a proposito penitentes discedentes incompte, agnouit
eos percussos iaculo inimici et relicta refectione, quam preparabat
eisdem, una cum suis socijs corruit super terram et exclamauerunt
flebilibus precibus ad Dominum toto corde, ut dignaretur ipsos
iuuenes consolari et a temptatione diaboli liberare. Cumque uiri
Dei Dominum gemebundis precibus inuocarent, super | eos e celo
effunditur nubes clara et uox distincta dissonuit lhesu Christi:
„Nec uos nec ipsos propter me orphanos deseram in eternum.“
Cumque recederent iuuenes tuberöse, despectabiliter Andronichus
post tergum respiciens heremitas uidit nubem candidam cadere
super eos. Quod Germano insinuans, perstiterunt attoniti in aspectu,
et prospicientes sanctos Dei circumdatos Claris flammis et Dei filium
inter ipsos eis, que facerent, indicentem, cum ipsa nube ad sidera
conscendentem conscripti celite sese ex inconstan|ti animo rnorda-
citer deuultabant. Illustrati celere iuuenes uisione diuina et contriti
nimio ex processu erubescentes prefigebant uultus suos in terram
et astantes seorsum ad sanctos accedere uerebantur. Beatus uero
Caprasius blande conuocans innocentes predixit eis temptationes et
fraudes diaboli assuetas ac merita resistentis et instruens eos catho-
licis documentis in ecclesia sancti Petri, que est in eodem litore
fabricata, perduxit cathecuminos ad baptismum. Quorum Andro-
35 nichum, uirum mitisjsimum, eloquentem nimio et uenustum, Hono-
ratum, Germanum, qui passiones maris, frigoris et tempestatum
afflictus nimio portauerat pacienter, qui erat uerus, actiuus et
reuerenter obsequiosus, Uenancium 1 nominauit. Postea refecit eos
cibarijs oportunis. Renati itaque fonte baptismatis noui Dei milites
submittebant se ardentissime iugo Christi, doctrinas et modos
sedule suscipientes , qualiter diuinum obsequium adimplerent.
Sanctus uero Caprasius portans prouide naturam iuuenum delica-
pag. io tarn | eos dignis solacijs et refectionibus focillabat Properantes
igitur per conuenientes dietas ad locum, quem eis Dominus pre-
parauerat, deuenerunt ad opidum, quod nominatur Uercellum 2 ,
positum in uertice Lumbardie; ubi cum triduo resedissent cura
reficiendi iuuenes, apparuit eis 3 beatus Petrus apostolus accelerans
eorum aduentum dicens: „lam triduo amicus Dei Macrobius uos
j expectans suum felicem | exitum retardauit. Ite et suscipite loco
eius hereditarium diuinum obsequium successiue!“ Surgentes ilico
uiri Dei apostolica iussione accedebant ad locum. Cumque ascen-
derent montem, qui dicitur Barscha 4 , et illuc et istuc uallia et
cacumina montium perlustrassent et nullum habitaculum inuenissent,
implorauerunt Dominum, ut eis locum sancti Macrobij exhiberet. Et
eminus prospicientes uiderunt in summitate montis celsi, qui Argen 5
I0 dicitur, de celo lumen cadere ut stellam. Estimantes | igitur illuc
1 R Venancium — 2 R Vercellum — 3 PRv orantibus hinter eis,
fehlt f — 4 PRf Brascha — 8 v Argentarius. R bringt zuweilen am Rand
Erläuterungen zu den Eigennamen. Die erste Erläuterung findet sich hier zu
Argen. Ich glaube, diese Randbemerkungen bei Angabe der Varianten über-
gehen zu können.
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53
sanctum Macrobium habitare celere accesserunt ad locum. Cumque
uenisscnt ad ecclesiam sancti Michaelis fabricatam ibidem, ubi
sanctus Macrobius morabatur, prostrarunt se ante eius introitum
adorandum. Suscipiens igitur 1 in osculo caritatis desideratos hos-
pites letus hospes indroduxit eos in hereditarium Ihesu Christi. Et
enarrans modum et ordinern uite sue et ostendens eis lignum
dominicum cum altero clauorum Christi et reliquias plurium uenera-
bilium sanctorum, quas monitione diuina propter insaniam | per- 15
sequencium christianos diu conseruauerat deuote et reuerenter
obsequendo, et predicens eis plurima, que uentura et que facturi
erant, et suscepto de manu sancti Caprasij corpore Ihesu Christi
in Domino obdormiuit Quem uiri Dei reuerenter in eadem ecclesia
tumularunt. Suscipientes profecto noui farauli Ihesu Christi diui-
num obsequium peroptatum succedebant ardentissime de uirtutibus
ad uirtutes. Quos sancti patres confortabant et corroborabant sollicite
eis modos orandi et abstinende raoderantes, ne | illorum tenera 20
corporum fragilitas lederetur. Corroborati igitur diuinitus et firmiter
confortati, predicti iuuenes faustum nature et consuetum fomitem
penitus respuentes ultra imperium sanctorum patrum ieiunijs et
afflictionibus sua corpora macerabant, ut a came excuterent sordes
carnis et spiritum roborarent.
VII. Cumque exaucta seductio Johannis et Machometi existeret
pluribus furiosis et pötentibus principibus conuallata et contra Pipinum,
Bauarre 2 principem, qui Ludoüicum 3 , regem Gaunorum 4 , expug|na- 25
uerat et errorem illorum nitebatur totis uiribus demolliri, acies
direxissent, eum apud Carnotum debellantes, uix ab eorum faucibus
est ereptus. Qui Karolum 5 , eiusdem Pipini filium, capientes ibidem
eum apud Toletum adduxerunt cum raultitudine captiuorum. Ex
hoc igitur exultante audaciter irapia progenie Ysmaelis 6 , captiuus
Karolus 7 tristabatur et optans mori Deum assidue precabatur, ut
finem imponeret uite sue. Sacerdotes namque et pontifices Macho-
meti in ignominiam et blasphemiam | Christiane fidei in suis sollempni- 30
tatibus Karolum 8 in eminenti expectaculo populis exhibebant tam-
quam feram indomitam cathenatum et post uinculis absolutum
dampnatura perpetuo reducebant angarizandum ad aquarium Tole-
tanum 9 . Cum uero sic triennio tarn uiliter Karolum 10 afflixissent,
apparuit beatus Jacobus apostolus Honorato, ipsuro increpando
austere, quod necdum sua limina et captiuum Karolum uisitasset.
Cumque Honoratus sancto Caprasio exponeret apostolicam uisionem,
cognouit di|uinitus sanctus Caprasius uisionem ministerium importare, 35
iniungens Honorato, ut, que placebant apostolo, adimpleret Arri-
piens celere iter suum cum sancto Maguncio 11 Honoratus renitente
Uenancio 12 et remanente inuito ad Compostellam ueniunt, ubi in
1 D fugt hinter igitur, offenbar fälschlich, eos ein — * PR Bauarie —
• PR Londouicum — 4 P hat ebenfalls Gaunorum, aber in einer Rand-
glosse Germanorum — 4 R Carolura — • P Ismalis, R Ismaelis —
T R Carolus — 8 R Carolum — 9 PR Tholethanum — 10 R Carolum
— 11 R Maguntio — 19 R Uenantio
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54
honorabili basilica residet beatus Jacobus tumulatus. Ante cuius
sepulchrum in suam fadem corruentes hij duo catholici Deum
adorantes, cum diu in orationibus perstitissent, nubes clara circum-
pag. xi dedit eos, et stans inter illos beatus Jacobus dixit | Honorato: „Non
mei uisitatione tantum sollicitus te induxi, ut mea limina uisitares,
sed ut Karolum, catholicorum athletam, liberares de manibus Aygo-
landi.“ Quo dicto disparuit ab eisdem. Complentes igitur orationes
suas Maguncius et Honoratus ceperunt inquirere sapienter, ubi
Karolus captiuus teneretur. Cumque didiscerent, quod Tholeti,
5 illuc dirigunt gressus suos. Erat enim | regi Aygolando unica filia
speciosa ualde Sibilia nomine, regina Saxonie, quam diligebat pre
cunctis raortalibus Aygolandus. Cum uero ipse Aygolandus festum
sui culminis celebraret et sub ignominiosa expectatione Karolum
solito exhiberent, arripitur a diabolo Sibilia, filia Aygolandi, que
corruens ante regem uix erigitur semiuiua. Sibiliam 1 igitur diabolo
agitante inuitat rex medicos, premia pollicetur. Que cum ullorum
io medicorum medicamine non reciperet sanita|tem, aduocantur exorri-
zatores et Phitonice 2 incantatrices. Qui cum per suas inuocationes
fallaces et ritus nepharios mugientes in aere et aspirantes in ampne
ac in terra nodosos caracteres 3 conscribentes secundum diabolica
documenta nequirent Sibilie aliquale remedium impartiri, sed potius
in eorum aspectibus crebrius torqueretur, edicitur ab Aygolando,
quod prestanti Sibilie sanitatem, que peteret, conferretur. Honoratus
15 igitur uenustus iuuenis et facundus, prerogatiua e|minentis eloquentie
predotatus, qui a matre sua diserte didiscerat arabicum ydioma,
audiens, que edicta fuerant publice per preconera, accessit ad pala-
cium, ubi Sibilia seruabatur. Quam prospiciens cognouit diabolice
tormentatam et accedens ad presentiam 4 Aygolandi dixit se scire
Sibilie remedium impartiri. Aygolandus igitur prefixe prospiciens
Honoratum militibus suis dixit: „Nisi hunc agnoscerem Arabern
20 uestibus et loquela, sororis mee Helembroch 5 genitum extima|rem,
quia non fuit sibi similis sicut isle.“ Et nomen eius exquirens
promisit sibi conferre sine qualibet diminutione et difficultate, que-
cumque peteret, si Sibilie remedium largiretur. Rediens igitur
Honoratus ad triclinium 6 , ubi Sibilia seruabatur, sal et aquam postu-
lans benedixit et aspergens aqua benedicta oliue ramusculo faciem
mulieris discessit ilico malignus spiritus ab eadem. Que aperiens
oculos carpsit frendenter genua Honorati proclamans flebiliter: „ Non
25 digneris infelici\tatem meam conspernere , uir diserte, sed, quecumque
possideo, accipe et me serua et libera me ab incomparabili passione! u
Honoratus itaque causam infirmitatis Sibilie indicauit nec posse
sanari, nisi respueret fictionem diaboli abdicatam et crederet Ihesum
Christum. Annuit afflicta credere et obseruare firmiter, que sibi
iniungeret Honoratus. Honoratus igitur cdocens Sibiliam et in-
struens catholicis documentis cathecuminam benedixit et aquam
1 P Sibilia — 2 Phitonicus = Pytbicus — * D versehentlich ca-
recteres — 4 so PR, D versehentlich ad presencia — 8 PR Helen-
borch — 8 so PR, D versehentlich trichinium
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exorcizans Sibiliam baptizauit, | et confestim a cunctis suis lan- 30
guoribus est sanata. Nunciatur igitur Sibilie sanitas Aygolando, qui
accessit celeriter ad eandera. Quam propiciens solito pulcriorem
summa alacritate perfusus 1 * * dicebat Honorato, quod maiora, quam
promiserat, sibi daret. Honoratus attamen irapetit Aygolandum, ut,
quod promiserat, obseruaret. Assentit pater et instat filia et postu-
landa confirmant. Tune Honoratus tacens aliquantulum ex pro-
fundis uisceribus suspirat. Sibilia uero circa promissa hesi|tare ex- 35
timans Honoralum, importune eum expetit fiducialiter dicere, que-
cumque uoluerit postulare. Honoratus itaque erga captiuos exhibens
sui animi pietatem instanter postulat, ut Jibertas Karolo, quo ire
uoluerit, largiatur. Aygolandus igitur, que Honoratus petierat, par-
uipendens Karolum cum duodecim soeijs, quos eligeret de captiuis,
tradidit Honorato cum pluribus muneribus preciosis. Aduocans
autem Karolum cum duodecim soeijs suis electis Ho|noratus in pag. 12
presencia Aigolandi* et Sibilie erogauit eis sufficiencia necessaria
ex muneribus, que sibi optulerat Aygolandus, et cetera respuens
concessit eis libertatem progredi, quocumque uellent. Leti igitur
catholici iuuenes ex libertate et muneribus, que ipsis contulerat
Honoratus, extabat inter reliquos lecior Baudoynus 5 , quem Sibilia
prospiciens lasciuire uisceraliter adamauit, quem adoptauit in uirum | 5
tempore succedente. Honoratus itaque Aygolando et Sibilie et
Karolo et suis soeijs uale prebens humiliter ad Argen concite cum
sancto Maguncio 4 properauit. Venancius 5 interim multis medi-
tationibus et anxietatibus circumplexus sine intermissione Deum
gemitibus et crebris orationibus precabatur, ut sibi incolumem
redderet Honoralum. Et cum nonaginta dies transissent in orbe,
dubius ex euentu lacrimosis aspectibus Honorato cotidie procedebat
obuiam usque ad precipicium raontis celsi accelerans | desideratum 10
aspectibus, interrogationibus et singultibus et suspirijs et sic diebus
singulis post longam expectationem lugubris ad socios remeabat;
affligebatur itaque miro modo cibum et sociorum solacia respuendo.
Sanctus igitur Caprasius consolabatur eum et, queque placita poterat,
ministrabat, sed Uenancius cuncta repudians mortem sibi anxius
inuitabat. Curaque rite dies centesimus ageretur, contigii, ui languore
tussis infeste et reumatis murraurantis ingrauescente mitissimum
Uenancium 6 nequiret solito obuiam oc|currere uenienti, sed in cella 15
Honorati prostratus Honoratum, quem credebat mortuum, funesta
uoce plangeret. Sancti Caprasius et Leuncius 7 sollicite assistebant
et consolabantur languentem. Astantibus sic dictis sanctis in
solacium dissoluti subintrarunt 8 ecclesiam sancti Michaelis sancti
Maguncius et Honoratus, qui complentes orationes suas tintinnabulo
se insinuant aduenisse. Quo cognito celere Uenancius 9 cum ceteris
ad ecclesiam properauit et osculabatur fratrem pre gaudio perfusa
1 so PR, D profusus hat nicht die Bedeutung „erfüllt“ — * PR
Aygolaudi — 3 P Baudoinus — * PR Maguntio — 6 P Venantius —
• P Uenantius — 1 PR Leoncius — 8 PR subintrant pafst vielleicht
besser — • P Uenantius
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ao fade lacrimarum, et enarrans, que con|tigerant, Honoratus bene-
dicebant inde Dominum Ihesum Christum.
VIII. Cumque Aygolandus et Marsilius 1 una cum Arnulpho,
rege Longobardorum 2 * , exterminare catholicos niterentur et Leo,
imperator Constantinopolitanus, instanter et pluries requisitus re-
cusaret ecclesie auxilium impartiri, Stephanus papa secundus de
consilio Romanorum imperium transtulit ad Latinos, electionem im-
peratoris concedens principibus Germanorum, qui soli ecclesiam
35 defensabant Qui post aliqua curricula | temporum una cum Leone
papa et catholicis principibus Karolum, ducem Bauarre*, quondam
Pipini filium, ad imperium assumpserunt. Qui cum secrete Romam
accederet imperium 4 assumpturus, per Alpes transiens, ad sanctos,
qui in monte Argen morabantur, accedens inscius agnouit ilico
Honoratum et procidens ad eius genua prouolutus de perceptis
beneficijs gratias exsoluebat. Et indicans sanctis suum salubre pro-
positum ab illis meruit benedici. Qui diuinitus predixerunt Karolo,
30 queque sibi ardua et aduersa succederent, de quibus nil | defuit,
quin succederet ueritati. Erat enim quidam nobilis uir cum Karolo
nomine Uezianus, qui nequiens passiones et caumata itinerum sub-
portare infirmatus grauiter apud Argen remansit sub custodia
Honorati. Qui se adeo affectualiter connexerunt, quod uix Karolus
postmodum dictum Uezianura de sanctorum consorcio potuit separare.
Procedens igitur Karolus animatus contra perfidos ad occasum ob-
sedit primitus Aralatum 5 , ubi fuit dictus Uezianus cum suis omnibus
35 prodicionaliter interemptus per principem | Atrapensem. Percussa
igitur ciuitate a Karolo percunctabatur sollicite, qualiter posset uin-
dicare mortem nobilis Ueziani®, et commouens suos exercitus circum-
dedit undique insulam Attrapensem 7 , ubi corruit Badoynus 8 , prin-
ceps Saxonensis. Cum Karolus Atrapam debellaret, habitatores eius
nequientes insolentium 9 terribiles impetus tolerare, post multorum
excidium, post captionem plurimorum, preter illos, quos in terra
marique seuiens gladius trucidabat et manus catholica insaciabiliter
pag. 13 deuorabat, ciues | atoniti, in desperationis angustia constituti, se in
incertis et ambiguis passibus exponentes, quo melius et celerius
poterant, fugientes transfretarunt 10 ad insulam Aurianam, que distat
uersus meridiem ab insula Attrapensi 11 archario trino iactu. Quos
subsequentes ualide christiani penitus consumpserunt. Quod Karolus
5 nunciare non distulit Honorato, se suis et suorum consociorum |
orationibus recomendans, sciens se eorum precibus uniuersos per-
fidos superare. Karolus igitur perfidos persequendo cum obsideret
patriam Narbonensem, consurgens diluculo consuete ad diuinum
obsequium Honoratus, cum ad ecclesiam properaret, semitam pro-
spexit nigra et frigida fuligine circumplenara et, quidnam esset,
1 R Marcilius — * R Lungunbardorum — 8 PR Bauarie —
4 so PR, imperium fehlt D — 5 P Aralatam — • R Uiziani — T PR
Atrapensem — 8 PR Baudoinus — 9 PR insilentium — 10 so P,
D transfretarent, R transfetarunt — 11 R Atrapensi
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pertractans cognouit nigerrimam niuem esse. Conuocans igitur
Honoratus sanctos patres prodigium exhibebat. Prostementes se
sancti diucius ad orandum apparuit eis Dominus Ihesus Christus,
confortans eos in suum obsequium perdurare, premia promittendo io
dicens illis ideo niuem nigram pluisse, quia eorum precibus pro-
sternebat perfidiam Machometi, precipiens illos ab Alpibus descen-
dere et conuallem confortare et confouere reliquias christianas.
Descendentes itaque ab Alpibus sancti uiri, lignum salutiferum et
alterum clauorum Christi et reliquias uenerabiles deferentes ad
Foroiulium properarunt. Preerat autem catholicis apud Foroiulium
pontifex uenerandus nomine Iulianus 1 * , cui erat frater uir | magne 15
benignitatis et rationis et in cunctis actibus circumspectus nomine
Annolinus 5 . Qui longa infirmitate confectus curuato corpore pre
fractura et rugatis neruis et disiunctis ossibus pre langore stabat
aridus sicut monstrum. Cui Dominus in uisu demonstrauit, quod
ad contactum cuiusdam sancti hospitis sanandus esset. Quod
fiducialiter insinuans fratri suo eum sollicitabat sepius progredi ad
itinera ciuitatis hospites ad hospicium conuitare. Cum igitur qua-
dam die dictus episcopus post pluuiarum impe|tus extra ciuitatem 20
paululum processisset, uidit uenientes sanctum Caprasium et suos
socios lento gradu. Quibus reuerenter occurrens supliciter optinuit,
ut ad suum hospicium declinarent. Quos Annolinus 3 suscipiens
reuerenter per alterum seniorum sanari fiducialiter sperabat 4 . Cura-
que uiri Dei profusi imbribus frigore rigerentur, Annolinus com-
passione commotus sanctos hospites ad ignem accedere propius
inuitabat, supplicans Honorato, qui obsequiosus pre ceteris apparebat,
quod portaret eum eminus extra larem, ut ad ignem | se possent 25
ipsi hospites liberius recreare. Honoratus igitur hunc aridum cupiens
ad suum grabatum, quod 6 erat in ipsius domus angulo, asportare,
quam cito illum tetigit, subito corpusculum aridum diuinitus irri-
gatum adeo fuit totaliter solidatum, ac si Annolinus infirmitatem
nullatenus habuisset. Annolinus se sanum perfecte senciens, euulsus
a manibus Honorati tenuit pedes eins eos humiliter osculando.
Honoratus uero credens hunc aridum lapsisse a suis manibus
propter nimiam confracturam | eum erigere conabatur. Annolinus 30
attamen Honorati pedes amplectens flebiliter proclamabat: „Non te
deseram, sancte pater, quia tuis meritis sum sanatus.“ Audientes
autem episcopus et uiri ciuitatis 6 Annolini clamores tenentis uio-
lenter genua Honorati, credentes consuetis passionibus agitari in-
ducebant illum ad padenciam et silencium propter sanctos. Qui
consurgens celere se sanum exhibuit uniuersis, referens, qualiter
per Honoratum sanatus fuerat solo tactu. Videntes igitur, qui
aderant, miraculum uiri Dei curabant propere | hoc infirmantibus 35
nunciare, qui, quo melius poterant, accedentes, sanctorum fimbrias
1 R Julianus — ’ Pv Anolinus — 8 PR hier und an allen folgenden
Stellen Anol . . ., dgl. in v, so oft der Name vorkommt — 4 D ver-
sehentlich spabat — * PR qui — • PR vicinj statt uiri ciuitatis, f: li
ve2in
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58
attingentes ilico sanabantur. Aggrauante sanctos accedentium multi-
tudine cum tumultu, ne eos uanis laudibus hominum hostis callidus
macularet, secrete ruentes per posticum ad montem nemorosum,
eiusdem ciuitatis 1 uicinum, positum ad orientem concite fugierunt
et hinc inde siluain Mauritanam prosequentes usque ad noctis
tenebras ambulando ad locum, qui A gathon 2 dicitur, deuenerunt.
pag. 14 Mane igitur consurgentes | Deum humiliter inuocabant, ut demon-
straret illis locum, ubi ei 3 libere deseruirent. Et ecce lupa candida
cum catellis suis astitit iuxta illos eos inuitans ad progressum. Qui
lupam paululum per asperam congeriem prosequentes ad antrum
supra mare positum 4 deuenerunt prebens pro necessitatibus aquam
uberem, habilem ad potandum. Videntes itaque uiri Dei ad diui-
5 num obsequium aptum locum, erigentes titu|lum Deo immaculatum
sacrificium obtulerunt, ubi construentes Oratorium sincere Domino
seruiebant.
IX. Cumque Iulianus, Foroiuliensis 5 episcopus, in Domino ob-
dormijsset, inter ciues pro electione futuri pastoris grandis sedicio
concitatur. Erant enim inter eos plurimi Manichei catholicum an-
tistitem recipere recusantes, sed cedente locum falsa seductione 6
catholice ueritati omnium una uox communiter prouulgatur, quod
uellent antistitem Leuncium 7 heremitam. Ciues uero sollicite dis-
10 currentes per Maurita|ni 8 nemoris latebrosa conuallia , sicut placuit
Creatori, ad sanctorura habitaculum deuenerunt et rapientes sanctum
Leuncium 9 renitentem eura uiolenter cum multis clamoribus et ulu-
latibus ad Foroiulium adduxerunt. Ubi penitus resistenti fuit in-
iunctum diuinitus acquiescere precibus populorum. Qui tirnide adiens
pontificis dignitatem Manicheorum errores penitus extirpauit catho-
licos roborando. Viennensi 10 auiem ecclesia destituta pastore cum
uniuersus populus ad ecclesiam beati Mauricij accessisset et diuersi
15 diuersos prefici postu|lassent, tandem custodem sancti Mauricij
appellantes promiserunt eidem, quemcumque uellet, in antistitem
acceptare 11 . Prostratus igitur custos ante sepulcrum beati Mauricij
cum multitudine electorum uirorum flebiliter iraplorabat sibi insi-
nuari a Deo, quem preficerent in pastorem. Quibus uox clara et
distincta diuinitus insonuit ter dicendo: „Maguncium 12 heremitam
uobis preficio in pastorem.“ Et subito consurgentes Maguncium
requirebant. Quem cum diuersi per diuersa loca et multa tempora
20 quesiuissent, eorum aliqui apud Foroiulium | deuenerunt a sancto
Leuncio 13 antistite requirentes consilium ex quesito. Quos benigne
sanctus Leuncius 14 suscipiens eis beatum Maguncium patefecit. Cum
quibus ad sanctos heremitas properans collatione premissa sancto
1 D versehentlich ciuitis — * P Agaton — 3 so PR, ei fehlt D
— 4 in D vor positum ein durchstrichenes pore — 6 D versehentlich
Foriuliensis — 8 D versehentlich seductone — 7 P Leoncium, R Leon-
tium, v Leontius — 8 P Mauri — 8 Pv Leoncium, R Leontium —
10 so DPv, R Vianensis — 11 so PR, D läfst acceptare aus — 13 R
Maguntium, v Magonciura — 13 PRv Leoncio — 14 PR Leoncius
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59
Maguncio, quod diuinitus insinuatum fuerat, intimauit. Sanctus uero
Maguncius antistitis monita moleste sufferens cum non acquiesceret
blandimentis, sancto Caprasio iraperante, qui rei euentum predixerat,
annuit ualde tristis. Accedens igitur sanctus Maguncius ad ciui-
tatem Uienne pontificale officium ex|cercuit uigilanter, confouens 25
christianos pabulo uerbi Dei, informando eos opere et sermone.
Cuius doctrina et predicatio uniuersam Galliam illustrabat. Venan-
cius igitur indolis delicatus Deum ardentissime obsequendo cum
suum corpusculum multis uigilijs et uarijs abstinencijs afflixisset,
passiones nequiens ulterius subportare decidit in lectum infirmatus.
Quem cum importuna infirmitas cruentissime attractaret, eius uenus-
tus uultus, angelicus, mansuetus, mitis et ylaris non | paruit iramu- 30
tatus. Qui cum crebrius torqueretur, subridens mite consolabatur
socium atque fratrem. Honoratus igitur cum uideret suum unicum
fratrem exinanire penitus, crudelissime torquebatur. Sanctus uero
Caprasius confractus senio et languore, morientis et uiui prospiciens
passiones dire amaritudinis gladio figebatur, qui iuxta geminos
longeua annositate 1 contractus, persistens totus decrepitus lugubri
mugitu boando replebat questibus auras et antrum. Erat enim
Uenancius | elegantissima forma et statura ac speciosus ualde, nec 35
erat in corpore uel anima maculatus, docibilis, aptissimus docu-
mentis, humilis, mansuetus, obsequiosus, semper cum socijs ylaris,
uerax et 1 parum et rationabile loquens ac uerecundus, tanta memoria
et ingenio ac perfecta seien tia diuinitus decoratus, ut ex omni re
dubia ilico demonstraret lucide ueritatem. Qui cum aliquamdiu
languisset, assumpsit eum Dominus, cui fuerat dedicatus. Cumque
Honoratus uideret sui fratris | animam celorum culmina penetrare, pag. 15
erectus, quanto altius potuit, ad sidera tollens manus totis uiribus
lacrimabiliter proclamabat: „Cur me, frater, deseris, quem semper
fueras subsecutus? Cur me procedis ad mortem, cum me tua mors
ilico connecabiti Cur non compateris misero, quem atrox mors, ut
crebro me feriat 3 , ferire prorogat, ut confestim atrocius me con-
figat?“ Cum igitur diuina claritas | beati Uenancij animam ab 5
Honorati* intuitu sustulisset, super extinctum corpus corruit Hono-
ratus figendo oscula, lacrimas proflue profundendo, crudeles questus
emittens. Sanctus uero Caprasius lugebat mortuum ot propter ex-
tremam decrepitatem non ualebat semiuiuum nimia amaritudine con-
solari. Qui cum diu iuxta corpusculum laraentassent, apparuit eis
archangelus Michael, qui animam beati Uenancij coram Deo presen-
tauerat; consolando Honoratum indixit sanctum Capra|sium post 10
biduum transiturum. Transit igitur sanctus Caprasius ad optata
gaudia supernorum, et remansit cum feris ferus et solitarius Hono-
ratus amens et confusus, et non erant ei solacia nisi lacrime, sus-
piria et singultus solito pari consortio destituto. Cumque diu tetrice
lamentasset, prosiliens trucitcr expulit se eminus extra criptam
1 so PR, D animositate — * in P fehlt et, in R ist es nachträglich
ausradiert — * D versehentlich freriat — 4 in D hinter Honorati durch-
stochenes animam
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6 o
anxie et flebiliter proclamando. Cumque furens maritimam perlu-
strasset contra mortem questus flebiles proponendo, que illum recipi
15 repndiauerat | cum Uenancio et Caprasio, deuenit ad locum, qui
Agathon nuncupatur. Ulis enim litoribus aplicuerant cum nauicula
tres nequissimi Manichei. Qui prospicientes de prope uirum Dei
dixerunt adinuicem: „Hic est Leuncij 1 socius, qui destruit nostram
sectam!“ Et irruentes in eum fustibus, quos gestabant in manibus,
uerberatum et affectum plagis uehementer relinquunt in litore semi-
uiuum. Post que immanissimi Manichei cum parassent discessum,
20 prospexerunt Honoratum paululum palpitare, et ait unus | eorum,
qui dicebatur Lambertus: „Certe, si hic euaserit, Leuncio 2 * erit
peior et consummabit penitus reliquias nostre secte.“ Et cum ad
interficiendum eum gladium rapuisset, dixit alter eorum, qui uoca-
batur Ueranus: „Non occidas eum, sed ponamus eum 8 in insula
Auriana, ubi in nostra presencia morte turpissima deuorent hunc
serpentes!“ In illam enim insulam confugerant incole Attrapenses 4 ,
cum Karolus percuteret ciuitatem, sperantes euadere gladium furen-
25 tem. Quos ualide subsequentes catholici seuientes penitus | iugula-
runt. Ob quorum corpora deuoranda ibi ex omnibus circum-
stantibus nemoribus aduenerat serpencium multitudo. Inter quos
due ingentes serastes aduenerant, quarum una Lirus et alia Rinus
dicebantur, que pre ceteris colubris tanta crudelitate seuiebant, ut
discurrentes ad litora firme terre boues et equos et quandoque
homines rapiebant et deuorandos ad insulam deportabant et sepe
nauiculas, ut raperent nauigantes, sequebantur per mare. Ob quarum
30 ferocitatem 5 Lirinus dicta insula dicebatur, | ubi habitabant insidiose
Lirus 6 et Rinus. Quod cum omnibus placuisset, resumunt plagis
et liuoribus maculatum et remigantes uiriliter impellunt Honoratum
propere in litore Lyrinensi 7 et discedentes celeriter clamoribus
incitabant serpentes ex insula ad hominem deuorandum. Commota
clamoribus serpencium multitudo ad uirum Dei properat cum terri-
bili strepitura. Tantus enim insurr exit subito rugitus et sibilus
colubrorum, quod naute, qui distabant a litore, ut Honoratum
35 cernerent deuorandum, exterri|ti® terrore nimio uix se poterant con-
tinere. Honoratus uero audiens serpencium crepitantium cachinnum,
sibilum et frendorem ait intra se: „En nunc in uita mors me reci-
piet, que cum sanctis socijs me recipere refutauit!“ Qui cum
optate morti obuius processisset, irruentes undique serpentes cum
tumultu horribili circuierunt circiter uirum Dei. Prospiciens itaque
Honoratus formas terribiles colubrorum, dentes uorabiles, frendentes
pag. 16 linguas eorum uehementer expauit, et respiciens circum|circa, si
1 PR Leoncii — * PR Leoncio — • eum fehlt PR — 4 R Atre-
penses — 5 D versehentlich ferocitate — • P Lyrus — 1 P Lirinensi,
R Lirinesi. Bei den häufig vorkommenden Wörtern Lyrinensis und Lyrinus
schreibt fast regelmäfsig D Ly-, PR Li-. Sobald im folgenden diese Ver-
teilung zutrifft, werde ich die Varianten nicht besonders angeben; wohl aber
wird jede Ausnahme vermerkt werden. Auch v schreibt Ly-. — 8 D ver-
sehentlich eterriti
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Original fro.m
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6i
refugium uel auxilium preberetur, cum nullam uideret salutem, uires
diffugiunt a 1 corpore indefenso, et suplex inuocans auxilium Ihesu
Christi operto capite se tradidit deuorandum. Et repeute assistunt
iuxta eum sancti Caprasius et Uenancius 2 exanimem confortantes.
Quos Honoratus agnoscens ilico reuiuixit et caput erigens celere
prospexit eos ut fulgura coruscantes. Cui Uenancius 3 : „Cur iras-
ceris, bo|ne frater, et frustra te conteris propugnator futurus contra 5
hereses seuientes et incitas Creatorem portans impacienter diuinitus
ordinata, cum sicut uides, quam perfecte nos glorificauerit Dominus
Ihesus Christus et pro labore exiguo remunerauerit? Confortare
et esto robustus! Tibi experiri restant in agendis grandia prepa-
rare.“ Audiens uero Honoratus, que dixerant sibi sancti, confide-
bat eorum presidio defensari. Quos rogabat instanter, ne illum
relinquerent et eum subriperent a morsibus colubrorum. | Cui sancti: 10
„Tecum enim inuisibiliter perpetuo permanemus, pro te et tuis socijs
et successoribus coram Deo continue obsequendo. Surge et con-
fortare! Magnum enim ministerium restat tibi In tuo aduentu
benedixit Deus insulam Lyrinensem 4 . Serastes igitur et serpentes,
quos uereris, occides et superabis signaculo sancte crucis. Cum
uero hanc insulam mundaueris a serpentibus et spurcicijs eorundem,
ad honorem sancti Petri in ea ecclesiam fabricabis, qui pro te et
tuis socijs Deum assidue deprecatur, quem Deus | huius insule et 15
habitancium in ea constituit protectorem.“ Quibus Honoratus
respondit: „Pro quibus meis socijs asseritis apostolum deprecari,
cum solus hic resideam et nemo me preter colubros 5 comitetur?“
Cui sancti dixerunt: „Illi enim, qui te ad hanc insulam beatissimam
adduxerunt, ad te uenire laborant, qui tecum et post te hanc in-
sulam per multa tempora feliciter gubernabunt Et cum hic Domi-
nus tecum 6 plures alios suos famulos adunauerit, in medio arborum
palmarum fodias et uberanter aqua de silice emana|bit. u Et hijs 20
dictis disparuerunt ab eo. Honoratus igitur Deo reddens gratias
ex prouentu surrexit intrepide et signo crucis uniuersos serpentes
et serastes occidit. Ex quorum cadaueribus cum foret tota insula
infiscata, prosternens se humiliter Honoratus Dominum precabatur,
ut a 7 predictis cadaueribus insulam expiaret Qui consuigens cum
mare cerneret fluctuare et excedere terminos consuetos, ascendit
arborem palmarum 8 , que in medio insule persistebat Mare uero
diuina uirtute tume|scens per uniuersam insulam suas undas expandit 25
et eam ab omni contagio expurgauit. Quo facto restrinxit fremitum
ad sueta. Descendens uero ab arbore Honoratus per litora ambula-
bat Naute tarnen cuncta uiderant, que Deus per beatum Honoratum
ibi operatus fuerat; contriti et conterriti accedebant ad insulam
penitentes. Cumque uenissent ad litus, prosternebant se ad pedes
Honorati ueniam flebiliter postulantes. Quos beatus Honoratus erigens
1 so PR, a fehlt in D — * R Venancius — * R Venandus —
4 so DR — 6 so P, DR fälschlich colubres — • so PR, tecum fehlt
D — 7 so PR, a fehlt D — 8 PRv palme
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30 reuerenter osculabatur dicens: „Deo gratias referamus, | qui nos 1
ad hanc beatam insulam perduxit! Mecum enim hic Domino
seruietis.“ Et retulit eis, que dixerant sibi sancti, et benedicens
eos cum eo facti sunt heremite, et cum cibum triduo non sump-
sisset, obtulerunt ei panem et piscem et benedicens cum gaudio
comederunt. Postmodum remigantes properauerunt ad Oratorium,
ubi sanctorum corpora persistebant. Que una cum uenerabilibus
reliquijs, quas ipsi sancti coluerant reuerenter, suscipientes ad Ly-
35 rinensem 2 insulam deportarunt. Interim uero concurrentibus supra-|
dictis sanctus Maguncius una cum Turpino, Rothomagensi 3 antistite,
pro pace tractanda quarundam urbium cum foret ad Karolum desti-
natus, sanctos consocios fere per annum distulerat uisitare. Quem
Karolus cognoscens de statu sanctorum cum instancia requirebat
Obsidebat eo tempore urbem Narbonensem persistens de uictoria
optinenda 4 desperatus. Cui dixit sanctus Maguncius: „Si perfecte
credis in Deo et in sanctorum meritis, quos uidisti, cras in hac
pag. 17 hora capies ciuitatem.“ Karolus uero cre|dens firraiter, que pre-
dixerat sibi sanctus Maguncius 5 , confidens predictorum sanctorum
meritis suos exercitus ad prelium commutauit. Et hora predicta
terre motus concuciens ciuitatem menia corruerunt, quam catholici
subintrantes absque gladio captauerunt. Karolus itaque erga pre-
dictos sanctos faclus deuocior ex deuoto *, manu propria conscribens
5 cedulam eis, que Deus eorum meritis sibi fecerat, | indicauit. Sanctus
uero Maguncius sue legationis officio completo ad sanctos suos
consocios properabat. Et dum peruenisset ad Cometum 7 , opidum
regionis Regensis, recepit eum reuerenter Augerius quidam, uir
generosus, cui erat filius nomine Maximus, nomen rei conueniens,
maximus enim erat sapiencia, moribus et doctrina. Qui infirmatus
languerat temporibus diuturnis. Cumque sanctus Maguncius narraret,
quanta Deus per sanctorum suorum merita consociorum fuerat per-
10 petratus, ex hijs filius nobilis animatus illuc | se deferri afiectionem
patriam implorabat. Quod Augerius moleste sufferens abnegabat.
Beatus uero Maguncius cognoscens futuram sanctitatem iuuenis
fructuosam dixit ei: „Quid desideras sanctorum meritis optinere, ut
patrem tuum uelis tarn longis laboribus fatigare?“ Cui iuuenis:
„Ut sanctorum meritis celeriter morerer uel reciperem sanitatem.
Triennio enim, sicut prospicis, sum afflictus et mori opto potius
quam languescere tali uita.“ Tune beatus Maguncius imponens
15 manum super caput | iuuenis dixit ei: „Si credis, que profers, prestent
tibi sanctorum sociorum meorum merita sanitatem!“ Et confestim
solidate sunt bases eius et distenti nerui pedum et manuum, qui
fuerant corrugati. Et prosiliens incolumis persistebat. Properans
postmodum Maguncius 8 cum Maximo ad Foroiulium deuenerunt.
Quos sanctus Leuntius 9 letanter suscipiens uersus sanctos cum eis
1 hinter nos in D durchstrichenes al — * so DR — * P Roto-
magensi — 4 PR obtinendi — 5 der Name fehlt in P — 4 so PR,
ähnlich f; D ex deuotione halte ich für falsch — 7 PR Comecum —
8 P Maguntius — 8 PR Leoncius
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63
dirigit gressus suos. Qui cum ad Oratorium deuenissent, ubi crede-
bant sanctos socios reperire, locum uacuum inuenerunt. Stupen|tes 20
itaque ex euentu sese confuse nimio deuultabant. Cum igitur diu
argumentassent circa discessura sanctorum ac latebrosa conuallia
perlustrassent, cum nullum sanctorum uestigium reperirent, inceperunt
flebilibus ululatibus proclamare, et prostrati in terra pugnis et cir-
cumraptis stipulis unusquisque se percutiebat et potissime sanctus
Leuncius 1 , qui euentum, cum uicinus existeret, nesciuisset. Cumque
diu se sic afflixissent, surgentes uacabant (!) per nemora, si com-
mutati alibi quaque causa sanctorum ues|tigium inuenirent. Cum 25
uero ascendissent in cacumine montis, qui Stelel 2 dicitur, et circum-
circa prospicerent, uiderunt ex Lyrinensi insula secundum dimensi-
tatem insule procedere igneara columpnam celorum culmina contin-
gentem. Cumque diu attenti assisterent ad prouisum, estimati sunt
ueritatem assistere illic sanctos. Qui per aspera decliuia 3 properantes
ad raare inuenerunt in litore duas nauiculas piscatorum stupencium
ex columpna ignea Lyrinensi 4 . Quos induxerunt hij antistites, ut
cum | eis ad insulam accederent et discuterent uisionem. Celeriter 30
itaque ad Lyrinensem insulam properantes uiderunt e longinquo et
agnouerunt in litore Honoratum et subrapti in spiritu, cum se non
possent pre gaudio continere, inceperunt super aquas occurrere
Honorato. Quos letanter in osculo pacis suscipiens Honoratus facti
euentum et seriem enarrauit. Naute uero uiriliter remigantes carptis
litoribus se prostrauerunt ante faciem Honorati. | 35
1 PR Leoncius — * so PR, D versehentlich Stetei — 8 so R,
D decliua, P declinia — 4 so DP
(Es folgen die Kap. X — XLIX sowie ein alphabetisches Verzeichnis der
Eigennamen.)
Lebenslauf.
Ich, Bernhard Munke, wurde geboren am 8. Oktober 1888 zu
Erfurt als Sohn des Eisenbahn-Bureau-Assistenten Paul Munke und
seiner Ehefrau Emray, geb. Knauff. Von Ostern 1898 ab besuchte
ich das Kgl. Realgymnasium meiner Vaterstadt, das ich Ostern 1907
mit dem Zeugnis der Reife verliefs. Seitdem widmete ich mich in
Halle dem Studium der neueren Sprachen und der Geschichte.
Das Rigorosum bestand ich am 28. November 1910. Vorlesungen
hörte ich hauptsächlich bei den Herren Dozenten: Bauch, Bremer,
Busse, Counson, Ebbinghaus, Fester, Förster, Fries, Havell, Held-
mann, Kattenbusch, Lindner, Loofs, Menzer, Meumann, Ritter,
Schädel, Schultze, Suchier, Uphues, Wagner, Zachariae. Zu be-
sonderm Danke bin ich Herrn Prof. Suchier verpflichtet, der mich
zu vorliegender Arbeit angeregt und bei deren Ausarbeitung mit
Rat und Tat unterstützt hat.
Go gle